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Verhaltensänderungen durch Strassenbeleuchtungen bei Tieren, die auf die nächtliche Dunkelheit angewiesen sind - Folgen durch elektrisches Dauerlicht für die Menschen
aus: spiegel online: Es werde Nacht; 24.12.2008;http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,596801,00.html
-- durch Lichtverschmutzung verlängerte Tage und dadurch verkürzte Nächte
-- Wanderverhalten, Fortpflanzung und Ernährung können sich durch die fehlende Dunkelheit in der Nacht dramatisch verändern
-- vor der Stromproduktion wurden für die Nacht Kerzen, Öllampen, Fackeln und Laternen verwendet. Das elektrische Licht seit 1850 brachte eine dramatische Veränderung der Umstände. Europa, Japan und Teile der Verunreinigten Staaten ist ein Lichtnebel, und Fischereiflotten locken mit Suchscheinwerfern Tiere an, z.B. Tintenfische. Aus dem All sind die Suchscheinwerfer der Fischereiflotten zu erkennen, die heller leuchten als Städte wie Buenos Aires oder Rio.
-- Sterne und Planeten am Himmel werden gar nicht mehr wahrgenommen, obwohl allein schon der Schein der Venus einen Schatten auf der Erde verursacht
-- Sing- und Meeresvögel fühlen sich von Suchscheinwerfern an Land oder von den Gasfackeln der Ölplattformen auf dem Meer absolut angezogen und können so "eingefangen" werden: "Zu Tausenden kreisen sie um die Lichtquelle, bis sie schliesslich abstürzen."
-- "Zugvögel prallen nachts an hell erleuchtete Hochhäuser – vor allem Jungtiere, die zum ersten Mal auf die Reise gehen."
-- die Fledermausart "Kleine Hufeisennase" ist in manchen Alpentälern der Schweiz nach dem Anbringen der Strassenbeleuchtung verschwunden. Eventuell hat die Zwergfledermaus, die im Licht Insekten jagt, die "Kleine Hufeisennase" verdrängt.
-- "nachtaktive Säugetiere wie Wüstennagetiere, Flughunde, Opossums und Dachse müssen bei der Jagd viel vorsichtiger sein als früher, weil ihre natürlichen Feinde sie in den heller gewordenen Nächten leichter entdecken."
-- "manche Vögel, unter anderem Stärlinge und Nachtigallen, bei künstlichem Licht, singen zu unnatürlichen Zeiten, wenn die Nächte beleuchtet sind. Viele Vogelarten paaren sich vorzeitig, [weil sie meinen, es sei bereits Frühling bzw. weil sie das Verhalten an der Länge des Tages abschätzen, der bei Strassenbeleuchtung verlängert wird]
-- oder Vögel fressen mehr, wenn der Tag für sie länger erscheint, z.B. Zwergschwäne, die in England überwintern. Dann fliegen sie früher als gewöhnlich in ihr Sommergebiet in Sibirien, aber dort kann es sein, dass die Voraussetzungen für den Nestbau noch nicht gegeben sind
-- Meeresschildkrötenbabys haben ein grosses Risiko, in die falsche Richtung zu laufen. Sie schlüpfen am frühen Morgen und orientieren sich am hellen Horizont. Künstliches Licht hinter dem Strand lässt sie in die falsche Richtung laufen und verenden, und so sterben in Florida in den Verunreinigten Staaten jedes Jahr 100.000e Meeresschildkröten bereits am ersten Tag.
-- ein Biotop an einer hell erleuchteten Autobahn ist ein Horror für die Frösche und Kröten, denn die Nacht wurde für sie abgeschafft. Fast das gesamte Verhalten kommt durcheinander, z.B. den nächtlichen Chorgesang paarungswilliger Frösche.Weniger Licht ist also mehr Gesundheit [wenn die dummen, jungen Männer - zum Beispiel viele Jugos und Türken - begreifen würden, dass die Dunkelheit ihren Wert hat und die Dunkelheit nicht für ihre Kriminalität ausnützen].
Die Stadt Flagstaff in Arizona führte vor 50 Jahren Massnahmen zugunsten des astronomischen Observatoriums ein. Flagstaff ist heute eine "Stadt des dunklen Himmels". Das Beispiel macht Schule.
Die Manipulation des Lebensrhythmus durch helle Nächte steht im Verdacht, bei Frauen mehr Brustkrebs zu verursachen.
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Die Menschen verlieren durch die fehlende Dunkelheit die Fähigkeit, auf die Natur und die Sternenlichter zu vertrauen. Die Menschen werden auch psychisch labil, weil sie Ängste vor Dunkelheit oder psychischer Dunkelheit entwickeln.
10.8.2012: <Lichtsmog über Großstädten: Vorbei mit finster> - LED-Lampen machen die Nacht noch heller
aus: Spiegel online; 10.8.2012;
http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/lichtverschmutzung-bei-nacht-der-himmel-ueber-staedten-faerbt-sich-rot-a-848985.html
<Von Axel Bojanowski
Der Himmel über nächtlichen Metropolen wandelt sich: Er glimmt rot, riesige Lichtglocken erstrahlen über den Städten - durch die zunehmende Verbreitung von LED-Lampen wird die Nacht sogar noch heller. Experten warnen vor Folgen für Tiere und Menschen.
Hamburg - In den kommenden Tagen fliegen sie wieder: Abertausende Sternschnuppen sausen übers Firmament. Und die Chancen stehen gut, dass Nachtschwärmer ihre Wünsche gen Himmel richten können: Meteorologen sagen gute Sicht voraus. Großstädter jedoch werden von dem Spektakel kaum etwas mitbekommen: In Metropolen überstrahlt die Helligkeit der Häuser, Laternen und Autos die meisten Sterne - und das Licht am Nachthimmel verändert sich.
Eine neue Studie zeigt, wie sich die Nächte in Großstädten wandeln. Der Himmel glimme mittlerweile rot über Metropolen, berichten Forscher um Christopher Kyba von der Universität Berlin im Fachmagazin "Monthly Notices of the Royal Astronomical Society". Neue Beleuchtungen werden den Nachthimmel künftig weiter aufhellen, berichten die Experten. Sie fürchten schmerzliche Folgen für Tiere und Menschen.In klaren Nächten sei es in Großstädten wie Berlin schon jetzt zehnmal heller als vor 150 Jahren, schreiben Kyba und seine Kollegen. Staubpartikel brechen das Licht, über den Orten leuchten riesige Lichtglocken. Die größte Veränderung aber zeigt sich bei Bewölkung: Die Sonne geht unter, doch es bleibt hell. Die Lichter strahlen weit ins Umland, wie jüngst eine Studie der Berliner Forscher zeigte.
Tausend Mal heller als früher
"Früher", sagt Kyba, "waren klare Nächte heller als bewölkte." Heute sei es umgekehrt: "Wolkige Nächte sind in Berlin in manchen Nächten tausend Mal heller als früher." In den großen Metropolen der Welt hat die Helligkeit noch weitaus stärker zugenommen als in Berlin. Hunderte Millionen Menschen kennen keine Dunkelheit. Sie leben unter Lichtglocken, die von hellem Orange am Tag zu Orange-Rot in der Nacht wechseln.
Alles begann am 4. September 1882, als der Physiker Thomas Edison einen Schalter umlegte, der gleichzeitig Hunderte Glühbirnen in New York erleuchten ließ. 20 Jahre später funkelten Hunderte Metropolen in gleißendem Licht. Bald sorgten Leuchtstofflampen für kühleren Glanz. Metropolen gerieten in einen Wettstreit um die glitzerndste Skyline.
Ungeplante Folgen stellten sich ein: Tiere irren umher, oder sie sterben an Laternen und Hochhausfenstern. Manche vermehren sich ungebremst, während andere vor der Helligkeit flüchten, sie zeugen weniger Nachwuchs. Biologen warnen seit Jahren vor der Lichtverschmutzung.
Neue Lampen, neues Licht
Mit einem eigens entwickelten Messgerät haben die Berliner Forscher nun festgestellt, wie Wolken den Nachthimmel über Berlin verändern. Seit April 2011 stehe der Detektor auf dem Dach ihres Forschungsinstituts. Er erfasse das Licht in all seinen Farben.
Es habe sich gezeigt, dass Wolken vor allem rotes Licht reflektieren - es vermehre sich dadurch um das 18fache, schreiben Kyba und seine Kollegen. Verantwortlich für den Effekt sei die ausgedehnte Wellenlänge von Rot. Alle anderen Farben schwingen schneller, sie entgehen damit leichter der Reflexion der Wolken. "Rot ist das neue Schwarz" haben die Forscher ihre Studie genannt.
Mittlerweile aber installieren Städte vor allem LED-Lampen. "Der derzeitige Trend, Gasentladungsröhren durch LED-Lampen zu ersetzen, wird die Helligkeit und das Licht des Nachthimmels erneut verändern", sagt Kyba. LED-Licht brächte einen entscheidenden Unterschied: Es strahle meist in Weiß, herkömmliche Stadtbeleuchtung hingegen eher gelblich. Folglich würden die Nächte künftig noch heller, vor allem bei klarem Himmel, sagt Kyba. Bei Bewölkung bleibe die rötliche Leuchtglocke aufgrund der Streuung der roten Lichtwellen erhalten.
Die schleichende Veränderung des Nachthimmels müsse besser dokumentiert werden, fordert Kyba. Auswirkungen auf die Natur seien oftmals unbekannt. Doch immer wieder gibt es erstaunliche Befunde.
Schildkröten irren umher
Erst kürzlich beobachteten Biologen, dass sich das Leben in Seen verändert, die im Glanz der Städte leben: Plankton sinkt in dunkle Gefilde, wo es den Sauerstoff verbraucht, den dort lebende Fische benötigen. Am Strand geschlüpfte Meeresschildkröten kriechen in Richtung leuchtender Siedlungen statt ins glitzernde Wasser - sie erreichten nie den Ozean und verendeten.
Auch Menschen scheinen zu leiden, manche verlieren das Gespür für Tag und Nacht. Künstliches Licht gaukelt dem Körper eine falsche Tageszeit vor und kann den Hormonhaushalt durcheinander bringen. Die Auswirkungen auf die Gesundheit sind kaum erforscht.
Längst haben sich Forscher dem Kampf gegen den Leuchtsmog verschrieben. Erste Erfolge gibt es: Belgien schaltet seine grelle Autobahnbeleuchtung nach Mitternacht ab. Slowenien hat ein Gesetz gegen die Lichtverschmutzung erlassen: Beleuchtung darf nicht mehr sinnlos in den Himmel strahlen. Städte wie Zürich oder Rotterdam wollen Lampen besser fokussieren.Jährlich wird ein besonders finsterer Naturpark mit dem Titel "International Dark Sky Park" ausgezeichnet. In diesen Paradiesen der Dunkelheit treffen sich Sternengucker. Der Schweif von Kometen etwa erscheint dort zehnmal größer, es sind hundert Mal mehr Sterne als über Städten zu sehen, und die Milchstraße glitzert in voller Pracht.
Auch Sternschnuppen lassen sich dort leicht entdecken. An diesem Wochenende erwarten Astronomen abseits der Metropolen mehr als hundert feurige Perseiden pro Stunde.>
8.4.2026: In Asien mehr Licht, in Europa weniger:
Lichtverschmutzung nahm weltweit stark zu
Die künstliche Beleuchtung auf der Erde hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen, wie ein internationales Forschungsteam im Fachjournal „Nature“ berichtet. Während die Lichtverschmutzung in Asien zunahm, ging sie in Europa aber sogar zurück.
Von Anfang 2014 bis Ende 2022 stiegen die Lichtemissionen der Studie zufolge weltweit um 16 Prozent – die Erdbevölkerung wuchs in diesem Zeitraum nur um grob zehn Prozent.
Während die Lichtemissionen in verschiedenen Regionen insgesamt um 34 Prozent zunahmen, waren sie anderenorts um 18 Prozent rückläufig. Das Team um Zhe Zhu von der Universität Connecticut in den USA stützt sich auf die Analyse von insgesamt 1,16 Millionen Satellitenaufnahmen der US-Weltraumbehörde NASA.
„Die beleuchtete Erde, nachts aus dem Weltraum betrachtet, ist ein eindrucksvolles Zeugnis menschlicher Präsenz und offenbart eine ‚schwarze Murmel‘, die zunehmend vom Licht menschlicher Siedlungen, Industrieanlagen und Energieinfrastrukturen geprägt ist“, schreibt das Forschungsteam.
Zunahme besonders in Asien
Für die Analyse wurden Satellitenaufnahmen aus einem NASA-Datensatz „Black Marble Night-Time Light“ genutzt. Dieser berücksichtigt unter anderem atmosphärische Bedingungen, Geländetypen, etwaige Schnee- und Eisbedeckung und auch das Licht des Mondes und korrigiert diese Einflüsse.
Besonders groß war die Zunahme der nächtlichen Beleuchtung in dem neunjährigen Untersuchungszeitraum in Asien. Auf nationaler Ebene gab es in China und Indien die größten Veränderungen, wenn auch nicht landesweit einheitlich. „In China konzentriert sich die Aufhellung auf die östlichen und zentralen Regionen, bedingt durch Verstädterung und industrielle Aktivität, während die westlichen Gebiete geringere Veränderungen und räumlich fragmentiertere Muster aufweisen“, schreibt Zhu und sein Team.
In Indien wurden die wirtschaftlich starken Regionen im Süden während des gesamten Zeitraums heller. Im Norden kam ein Programm zur Elektrifizierung ländlicher Räume vor allem in den ersten Jahren zum Tragen.
In Europa ging nächtliche Beleuchtung zurück
Insbesondere in Europa ging dagegen die nächtliche Beleuchtung zurück. „Das ist das Ergebnis eines umfassenden technologischen Wandels von älteren, weniger effizienten Beleuchtungssystemen hin zu neueren LED-Systemen, Maßnahmen zur Reduzierung von Lichtverschmutzung und Energieverbrauch sowie umfassenderer nationaler und EU-weiter Vorgaben zur Energieeffizienz“, heißt es in der Studie.
Innerhalb Europas fiel der Beleuchtungsrückgang in Frankreich mit Abstand am deutlichsten aus (minus 33 Prozent), gefolgt von Großbritannien (minus 22 Prozent) und den Niederlanden (minus 21 Prozent). Klar zu erkennen war in vielen Ländern die Verringerung der Beleuchtungsstärke durch die Lockdowns während der Coronavirus-Pandemie.
„Schwarze Murmel Erde wird heller“
Die präzise Datenanalyse zeigt dem Forschungsteam zufolge, dass Veränderungen in der künstlichen Beleuchtung sehr verschiedene Ursachen haben können. Dazu zählen etwa der Ausbau von Siedlungen, Naturkatastrophen, bewaffnete Konflikte, das Einrichten und Abschalten von Gasfackeln in Zusammenhang mit der Erdgasförderung und der Wechsel zu LED-Beleuchtung.
Das Team plädiert dafür, die nächtliche Lichtintensität als Hinweis auf die sozioökonomische Entwicklung eines Landes zu werten. Veränderungen der Beleuchtung könnten auf einen raschen technologischen Wandel hindeuten, aber auch auf politische Eingriffe und wirtschaftliche Instabilität.
Generell sei das Signal jedoch klar, bilanziert das Team: „Die schwarze Murmel Erde wird nicht nur heller; sie pulsiert mit immer stärkeren Ausschlägen und hallt wider vom sich verstärkenden Herzschlag menschlicher Aktivität.“
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