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Teil 1: 1685-1932 - Teil 2: 1933 - Teil 3: 1934 bis August 1939 - Teil 4: September 1939 bis zum Ende

Hitlers Reich und Selbstzerstörung (Teil 3): 1934 bis August 1939

2. Die Umsetzung der Hitler-Diktatur in Deutschland 1934 bis August 1939

Brandenburger Tor 1945. Die
                      dauernde Polarisierung zwischen Kapitalismus und
                      Kommunismus riss ganze Volksmassen in den Wahn von
                      Entweder-Oder, von Schwarz und Weiss, von Sieg
                      oder Untergang. Es gibt politische Gruppen, die
                      politisieren heute noch so, trotz des negativen
                      Beispiels Deutschland...
Brandenburger Tor 1945. Die dauernde Polarisierung zwischen Kapitalismus und Kommunismus riss ganze Volksmassen in den Wahn von Entweder-Oder, von Schwarz und Weiss, von Sieg oder Untergang. Es gibt politische Gruppen, die politisieren heute noch so, trotz des negativen Beispiels Deutschland...

von Michael Palomino (2000 / 2005 / 2012)

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aus: Hans-Jürgen Eitner: Hitlers Deutsche. Das Ende eines Tabus. Casimir Katz Verlag, Gemsbach 1991


3. Die Umsetzung der Hitler-Diktatur in Deutschland 1934 bis August 1939


1934

Einführung der Reichsberufswettkämpfe (RBWK)
durch das DAF-Jugendamt und der Reichsjugendführung, 500.000 jugendliche TeilnehmerInnen im ersten Jahr, ist eine von Jahr zu Jahr wachsende Veranstaltung. Voraussetzung ist "arische" Abstammung (S.339).

Anreize für die Jugendlichen
-- Verkürzung von Lehrzeiten
-- Gratifikationen
-- Sonderurlaube
-- Schulung von Kampf und Betriebsamkeit (S.339).

Vordergründiges Ziel:
-- individueller Anreiz zu Aufstieg und beruflicher Qualifikation
-- Belohnungen, Empfänge der Sieger durch Hitler (S.339).
-- Auswertungen der RBWK und Überwachung von Berufsschulen und Lehrbetrieben
-- Betriebsführer wird die Ausbildungsbefugnis z.T. entzogen, 1934 z.B. 110 Betriebsführern (S.339)

Militärisches Ziel:
-- planmässige Auslese einer Elite schaffen
-- Lenkung des Arbeitskräftepotentials
-- massenweise NS-Ausrichtung
-- Prüfen der Weltanschauung und der politischen Leistung (S.339)

Förderung der Sieger der RBWK
durch das Begabtenförderungswerk, das den RBWK angeschlossen ist, Förderung bis hin zum Vollstudium. Viele RBWK-Siegerkommen aus bescheidenen sozialen Verhältnissen (S.340).

Gründung der Gesellschaft für Konsumforschung unter Ludwig Erhard
(S.254)
- in Nürnberg durch das Institut für Wirtschaftsbeobachtung (S.253)
- Erhard verweigert konstant einen NSDAP- oder DAF-Beitritt (S.254)

Rate unehelicher Kinder: noch 8,5 %
1925 noch 12 % (S.225).

Das Radio wird unpfändbar - Hörverbote
-- z.T. erfolgt sogar ein Gebührenerlass für ärmere Familien, so dass die Stimmungsmanipulation der Partei auch in ärmeren Familien wirken kann (S.301)
-- Hörverbote für gewisse Sender (S.301), als erstes Verbot der deutschsprachigen Sender von Radio Moskau (S.301-302)
-- Bestrafung beim Erwischtwerden: als "Vorbereitung zum Hochverrat" (S.302).

1934
Devisenbeschaffung durch Raub an der Bevölkerung: Familiengold
-- Zwangsablieferung aller privaten Goldbestände an die Reichsbank
-- Zwangsablieferung aller Auslandgelder an die Reichsbank (S.239).

[nicht erwähnt: Dadurch meint jeder Bürger des 3.Reichs indirekt, er habe ins Reich investiert, und dadurch kommt eine zwangsweise Gutgläubigkeit zustande, weil niemand an eine Fehlinvestition glauben will. Die geistige Dressur der gesamten Bevölkerung ist offensichtlich].

Widerstand: Berufsverbot für Karikaturist Erich Ohser mit Bildergeschichten- Intervention einflussreicher Kollegen und Pseudonym
- Pseudonym "e.o.plauen"
- Bildergeschichten in der Berliner Illustrierten Zeitung , 1934-1937 Bildergeschichten "Vater und Sohn": unheldische Figuren, Gegenbilder des NS-Stils, bringt Millionen zum Schmunzeln (S.476)

1934 ca.?
Völliges Aufheben der Arbeitnehmerrechte
-- Recht auf Freizügigkeit
-- Wahl des Arbeitsplatzes
-- Wahl des Berufs (S.275).

28.2.1934
Hitlers Ankündigung der "Blitzkriege" vor der Generalität in Berlin
-- Planung von Angriffskriegen mit (S.131) "kurzen und entscheidenden Schlägen", also "Blitzkriege"
-- Hitler will eine kurzfristige Breitenrüstung mit hohem Standard, keine langfristige Ausweitung und Modernisierung, kein Anlegen von Rohstoffvorräten
-- geplante Kriegstaktik: durch kurze Kraftüberspannung eine Anfangs-Überlegenheit erringen
-- durch Expansion (Landgewinne, Länderbesetzungen) am Anfang die fehlende Rüstungstiefe ausgleichen und so das Rüstungspotential der Gegner aufholen (S.132)

[nicht erwähnt: Die Blitzkriege sind bereits in Mein Kampf im 2. Band angekündigt: zuerst die Besetzung Frankreichs, dann der "Germanenzug" gegen Russland].

7.3.1934
Hitler fordert das autobahnfeste Volksauto mit den Daten 100/1000/1000
Rede Hitlers zur Eröffnung der internationalen Automobilausstellung: Hitler fordert ein Volksauto
-- für 2 Erwachsene und 3 Kinder
-- soll 100 km/h fahren
-- soll 6,5 l Benzin auf 100 km verbrauchen
-- soll luftgekühlten Motor haben, gegen winterliches Einfrieren
-- der Preis soll unter 1000 RM sein (S.317)
[-- und das Auto soll nicht mehr als 1000 kg wiegen, für die damalige Zeit eine Leichtbauweise].

->> Begeisterung der Arbeiterschaft mit Aussicht auf ein Auto
Ab 1934 weiss die ganze Arbeiterschaft im Reich, dass Hitler ihnen auch noch ein Auto geben wird, ein unvorstellbarer Traum (S.317).

[Dafür nimmt das dumme, naive deutsche Volk alle Beschwerden in Kauf, die ihnen Hitler stellt].

24.3.1934
Zusammenschluss der NS-Wohlfahrt (NSV) mit Innerer Mission, Caritas und Deutschem Rotem Kreuz zur "Freien Wohlfahrtspflege"
(S.322).

29.3./4.12.1934
Gesetz zur Beschränkung der Ausschüttung der Dividenden
Beschränkung auf 6 bzw. 8 %
Folgen:
-- Rückgang des Volkseinkommens aus Kapitalvermögen
-- der Anstieg der Gewinne der Unternehmen wird verschleiert (S.231)
-- die Schulden der Unternehmen können schneller abbezahlt werden
-- Entstehen absoluter Liquidität, Selbstfinanzierung von Investitionen (S.232).

Nachteil:
-- die grossen Kapitalgesellschaften werden privilegiert
-- es kommt 1932/33 bis 1935/36 zu einer Verfünffachung der steuerbaren Gewinne (S.232).

April 1934
Der Höchststand an Kraftfahrrädern von 1928 ist erreicht
(S.211)

1.4.1934
Gründung des NS-Wohlfahrts-Hilfswerks "Mutter und Kind"
mit Wohnhilfe, Arbeitsplatzhilfe, Fürsorge für werdende Mütter, Ernährungsbeihilfen für Bedürftige, Müttererholungsfürsorge, Kinderlandverschickung, Erziehungsberatung, Haushalthilfen (S.322).

Ziel: erbgesunde, kinderreiche Familien
Grundsatz: im Mittelpunkt steht der wert des Hilfsbedürftigen für das Volk, Vorsorge statt Fürsorge, Erziehung zur Gemeinschaftsfähigkeit (S.322).

-- Finanzbasis: Mitgliederbeiträge, Sammlungen, Spenden (S.322)
-- erbbiologische und rassenhygienische Orientierung des NSV
-- Erstreben der "Ertüchtigung des durch äussere Verhältnisse gehemmten Erbmaterials"

-- "minderwertige Individuen" erhalten nur eine Mindestfürsorge, werden falls notwendig auf strafrechtlicher Grundlage aus dem Volksleben ausgeschieden

-- Ausschluss aus dem NSV für "Asoziale": Trinker, Homosexuelle, Dirnen, Arbeitsscheue
-- Ausschluss aus dem NSV für Erbkranke
-- Ausschluss aus dem NSV für Angehörige "minderwertiger" Rassen (S.323)
-- für die Ausgeschlossenen stehen kirchliche oder sonstige private Institutionen zur Verfügung
-- insgesamt arbeitet der NSV für NS-Ziele und nicht für humanitäre Ziele (S.323).

18.4.1934
Fernsehen: erste Übertragung in Deutschland mit Kommentar-Ton
Umsetzen der Tonschwingungen in Lichtimpulsen auf demselben Bildstreifen, Entstehen des Tonfilms (S.302).

24.4.1934
Gründung des "Volksgerichtshofs" VGH: Hitler ernennt Richter selbst
als oberste Instanz in politischen Strafsachen, Ablösen vom Reichsgericht. Hitler verletzt damit das Gerichtsverfassungsgesetz, denn Hitler ernennt die VGH-Mitglieder selber:
577 Richter und Reichsanwälte

davon:
106 Berufsrichter
299 Beisitzer/Schöffen aus NSDAP, Polizei, Wehrmacht
179 Staatsanwälte (S.180).

Richtlinie für das Strafmass: die Gesinnung entscheidet
Nicht die Tat ist in erster Linie strafwürdig, sondern die Gesinnung des Täters. Also können NSDAP-Mitglieder oder SA-/SS-Leute Straftaten oft straffrei begehen (S.180).

Killerjustiz des VGH
Fällen von 5243 Todesurteilen bei 16.324 Angeklagten (S.180).

Ehrgeizige junge Juristen fällen harte Urteile
-- die härtesten Urteile werden immer wieder von karrieresüchtigen Jung-Juristen der unteren Instanzen gefällt, die im Privatleben auf "gute Manieren" achten
-- zu milden Urteilen wird vorgeworfen, dass die Justiz jeweils versagt habe
-- die Justiz ist einem Druck von aussen ausgesetzt und passt sich an, ist Kapitulation und Komplizenschaft

-- die Justiz lässt sich zur Komplizenschaft mit Hitler herab (mit wenigen rühmlichen Ausnahmen)
-- in manchen Fällen bringt ein schärferes Urteil eine mildere Strafe, z.B.: Bewahren vor Schutzhaft und KZ

-- die Kirche gibt sich machtlos
-- tapfere Menschen in der Justiz- und Ministerialbürokratie versuchen oft, "das Schlimmste" abzuwenden (S.184)
-- viele Juristen widerstreben Hitler zuerst, "kippen" dann aber um und verfallen in völlig übertriebene Härte (S.186).

15.5.1934
Siedlungsgesetz: Zugangssperre für bestimmte Städte
für die Hochburgen von SPD und KPD: Berlin, Hamburg, Bremen, Saargebiet (S.271).

Mitte Juni 1934 ca.
Huldigung Hitlers durch W. Adorno
(S.101)

17.6.1934
Papen kritisiert die Hitler-Herrschaft scharf
- wegen Gewalt und Radikalismus (S.71).

22.6.1934
Porsche: Konstruktionsvertrag für den "Volkswagen"
-- zwischen dem Stuttgarter Porsche-Team von 40 Ingenieuren und dem Hitler-Regime
-- Konstrukteur: der sudetendeutsche Ingenieur Ferdinand Porsche (1875-1951)
-- Ziel: einfaches, leichtes, zuverlässiges Fahrzeug (S.317).

[Jeder deutscher Arbeiter soll einen kleinen "Porsche" bekommen, der spätere "Volkswagen" VW].

30.6.1934
Mordaktionen Hitlers an der SA
-- dreitägige Hitler-Mordaktion, zum Erhalt von "Ordnung und Moral",  offiziell als SA-Revolte begründet (S.181)
-- Morde an der SA-Führung ohne Verfahren, ohne Schuldnachweis, ohne Gericht
-- Reichswehrführung und Reichspräsident stellen sich unter Bruch jeder Rechtsstaatlichkeit hinter die Morde (S.148)

-- die Mordaktion findet in der Bevölkerung fast einhellige Zustimmung mit dem Argument der "Ruhe und Ordnung" (S.147), Verfahren für "Unfähige" seien nicht stark zu gewichten, und die SA hat sich zu viel Korruption geleistet, ist im Volk verhasst, die Morde wirken befreiend auf das Volk, steigen die Popularität Hitlers noch

-- das Volk meint, der SA-Terror höre dann auf und hat zugestimmt, dass Terror mit Terror vergolten wird, stimmt damit dem NS-Terror zu (S.148)

-- die Frankfurter Zeitung: "Das Volk von der Herrschaft Minderwertiger zu befreien ist ein Preis, der einen hohen Einsatz wert ist" (S.147).

1.7.1934
Ablenkung von der Mordaktion Hitlers an der SA durch Fussballmeisterschaft
durch das Endspiel (S.148).

3.7.1934
Gesetz zur "Staatsnotwehr"
-- Legalisieren der Mordaktion vom 30.6.1934 an der SA
-- Morden aufgrund der politischen Systemerhaltung ist erlaubt
-- Reaktion der bürgerlichen Minister: Sie geben der Mord-Praxis schliesslich nach
-- Reaktion der Bevölkerung: Die Mehrheit fühlt sich nicht selbst bedroht und lebt mit der Einstellung, die guten Kräfte hätten immer über die bösen Kräfte gesiegt (S.181).

13.7.1934
Hitler bezeichnet sich als oberster Gerichtsherr
aber: Hitler gibt auch den Befehl zum Erschiessen (S.148).

15.7.1934
Verbot des Transfers von Zinsen und Tilgungsraten aus mittel- und langfristigen Auslandverpflichtungen
(S.239)

[-- damit sind alle ausländischen Investitionen in Deutschland blockiert und auf Zeit beschlagnahmt
-- Hitler erpresst damit die ausländischen Regierungen um ihren Besitz im 3.Reich und macht das Ausland damit auf die Dauer gefügig und zwingt den Auslandinvestoren sein politisches Programm auf, wenn sie ihr Geld je wiedersehen wollen...].

ab 20.7.1934
Die SS wird Hitler direkt unterstellt
-- die SS unterwandert zielstrebig Partei und Staat
-- die SS bildet für Hitler die revolutionäre Elite gegenüber der Mammut-NSDAP und somit quasi eine 2. Partei im Hitler-Imperium
-- die SS ist de facto ein Staat im Staate
-- von 5250 SS-Führern kommen 52,6 % aus dem Mittelstand, 40,0 % aus dem oberen Mittelstand, nur 7,4 % aus der Arbeiterschaft
-- 30,1 % der SS-Führer haben ein abgeschlossenes Hochschulstudium, davon 30 % Juristen (S.359).

Der Charakter der SS
-- militant und technokratisch
-- die SS hat einen eigenen Kurs der NS-konformen, politischen Subkultur (S.359)
-- SS-Angehörige wollen sich einen eigenen Lebensstil zulegen, wollen eine eigene Charakterhaltung einnehmen

-- Betonung des Unterschieds zur Umwelt und auch zur NSDAP: Die SS ist der Ausdruck der ehemaligen Freicorps-Mentalität des Kampfes gegen den Rest Europas nach Versailles, daraus heraus entwickelt sich ein "heroischer Realismus" durch Gestapo-Justitiar Werner Best (geb. 1903):

"Der Kampf ist das Notwendige, Ewige; die Kampfziele sind zeitbedingt und wechseln. Deshalb kann es auch auf den Erfolg des Kampfes nicht ankommen ... So bleibt das Mass der Sittlichkeit nicht ein Inhalt, nicht ein Was, sondern das Wie, die Form." (S.366)

-- blinde Ergebenheit nach dem Motto: "Meine Ehre heisst Treue!"
-- unbedingter Gehorsam mit jedem Opfer an Stolz und äusseren Ehren
-- Leistungsehrgeiz mit dem (S.366) Streben, jede Aufgabe perfekt zu erfüllen ohne Frage nach Mitteln und Sinn

-- Härte ohne jede "Humanitätsduselei" (S.367), "Knochenmühle", härtester Drill, Trimmen der SS-Rekruten auf Höchstleistung, ist zweckfreie Kriegerethik, ist die Vergötzung der [kriegerischen] Leistung um der Leistung Willen, fasziniert auch Nicht-NSDAP-Mitglieder (S.367).

Zweck der SS
-- die SS soll die Kader bereithalten, um nach dem "Endsieg" die neue Gesellschaft zu führen (S.359).

Wachstum der SS
-- viele intelligente und tatkräftige Männer drängen in die SS, auch solche des preussischen Adels
-- Auslese nach Kriterien: gute Körpereigenschaften, überdurchschnittliche Intelligenz, Dienstbereitschaft, Unbestechlichkeit (S.364)

-- z.B. ist auch der Neffe der niederländischen Königin in der SS: Josias Erbprinz zu Waldeck und Pyrmont (1896-1967), ab 1939 höherer SS- und Polizeiführer im Wehrkreis IX in Weimar (S.365)

-- Anwachsen der SS von 52.000 Mann mit 800 Führern (1934) auf 240.000 Mann mit 14.000 Führern im Jahr 1939

-- die SS-Führerschicht sind Söhne des mittleren Bürgertums mit voller akademischer, meist juristischer Ausbildung: klug, ideologisch neutral, illusionslos, machthungrig, seelisch entwurzelt, normenlos, Ablehnen "altmodischer" Dinge wie Humanität und Gerechtigkeit

-- Jung-Wirtschaftswissenschaftler mit Karrierehunger gehen in die Stäbe der SS-Unternehmen (S.365), sind nicht interessiert an Weltanschauung von Rassendynamik, Parteilegende und Führerkult, sondern suchen nur die schnelle Karriere (S.366).

30.7.1934
Hjalmar Schacht wird Reichswirtschaftsminister
(S.213), gilt als Bürge stetiger wirtschaftlicher und bürgerlicher Freiheiten im 3.Reich
-- auch Schacht täuscht sich in Hitler, überschätzt seine eigenen Einflussmöglichkeiten
-- ist kein Nationalsozialist
-- redet 1935 gegen Antisemitismus
-- hilft mit, Deutschland eine Verteidigungsarmee aufzubauen
-- hilft, die Staatsverschuldung in Grenzen zu halten und somit auch die Rüstung nicht zu sehr aufkommen zu lassen
-- wird zum Gegenpol zu Göring, dann auch zu Hitler (S.213).



August 1934

August 1934 ca.
Zwangsmassnahmen zugunsten des Schuldenabbaus bringen nichts
-- die Gold- und Devisenbestände der Reichsbank sind 1934 praktisch erschöpft
-- keine Devisen mehr: Der Rohstoffimport droht zu erliegen (S.239).

1.8.1934
Hitler wird Rechtssprecher
gemäss Staatsrechtler Carl Schmitt im Artikel "Der Führer schützt das Recht":
-- Hitler kann "Kraft seines Führertums als oberster Gerichtsherr unmittelbar Recht schaffen"
-- Carl Schmitt erhebt somit die Willkür von Hitler zum Gesetz (S.169).

Hitler findet weitere Staatsrechtler, die den Führerstaat verherrlichen:
Julius Binder (1870-1939)
Ernst Rudolf Huber (1903-1975)
Otto Koellreutter (1883-1972)
Werner Weber (1904-1976)
Ernst Forsthoff (1902-1974)

-- mit Absage an die Gewaltentrennung
-- mit Meinungsmache für das Volk: Wenn sogar die Professoren für den Führerstaat seien, müsse er ja gut und richtig sein (S.170).

These Reinhard Höhn: "Volksziele"
Höhn will den Einzelnen und den Staat als juristische Person abschaffen, denn der Staat sei nicht Selbstzweck, sondern nur ein Mittel für die Erreichung der Volksziele, und die setze der Führer (S.170).

2.8.1934
Tod Hindenburgs - Hitler soll gleichzeitig Kanzler und Reichspräsident sein dürfen
Viele Deutsche packt nun die Furcht, denn der letzte traditionelle Halt ist dem Staat genommen, und die Gewalt Hitlers ist willkürlich (S.391).

Hitler vereinigt die Ämter des Reichspräsidenten und des Reichskanzlers
Somit gibt es auch formell keine Instanz mehr, der Hitler de jure Rechenschaft ablegen muss (S.167).

Hitler-Eid in der Reichswehr
Die Reichswehr beschliesst am selben Tag (2.8.1934), dass alle Soldaten auf Hitler persönlich vereidigt werden (S.168).

10.8.1934
Verordnung zur Einschränkung des Arbeitsplatzwechsels
-- ein Arbeitsplatzwechsel ist nur noch mit Behördengenehmigung möglich
-- sonst ist Ausfall bei Arbeitslosenunterstützung in Kauf zu nehmen
-- Zweck: Erschweren der Suche nach besser bezahlten Stellen
-- gleichzeitig: Die Arbeitgeber können keine Arbeitnehmer mehr willkürlich entlassen (S.275).

19.8.1934
Wahl Hitlers zum Kanzler und Reichspräsidenten
(S.391):
Wahlbeteiligung: 95,7  %
Ja-Stimmen: 89,9 % (38,363 Mio.)
Nein-Stimmen: 10,1 % (4,3 Mio.)
ungültige Stimmen: 2,0 % (0,874 Mio.)
Proteststimmen insgesamt: 12,1 % (5,174 Mio.)
Nichtwähler: 1,981 Mio. (S.391)

-- Hitler verbietet der Presse Vergleiche mit 1933
-- am meisten Ja-Stimmen für Hitler sind in Ostpreussen mit 95 %, am wenigsten in Hamburg mit 79,5 % (S.391).

12.9.1934
Kirche: Ermahnung der Bischöfe im Saarland zur Pflichterfüllung
u.a. zur "sittlichen Pflicht der Liebe zum angestammten Volkstum" (S.392).

20.9.1934
Beschluss der Kontrolle des Devisen-Auslandverkehrs des 3.Reich - Handel Ware gegen Ware
-- entworfen von Hjalmar Schacht [Deutschland geht in den steinzeitlichen Tauschhandel zurück]
-- totale Kontrolle des Verkehrs ins Ausland
-- der Staat beansprucht den Auslandverkehr als sein Monopol (Güter, Dienste, Geld, Kapital, Personen)

-- Geldverkehr mit dem Ausland wird in devisenlosen, zweiseitigen Verrechnungseinheiten abgerechnet [praktisch eine Transitwährung]
-- so wird die Abwertung der RM umgangen (S.239)
-- der Papierkrieg für den Aussenhandel steigt enorm an
-- die totale Kontrolle sichert die Rohstoffimporte (S.240)

-- Organisation des Aussenhandels auf der Basis "Ware gegen Ware", Beschränken des Imports auf rüstungswichtige Güter
-- Lenken des Aussenhandels auf Staaten in Mittel- und Südosteuropa und Skandinavien (S.240), denn in Krisenzeiten sind diese Staaten gefügiger und dem Zugriff der englischen Flotte entzogen (S.241)

-- bis ins Frühjahr 1939 hat das 3.Reich mit 26 Staaten Verrechnungsverträge
-- die Praxis des Tauschhandels in den Aussenbeziehungen ist weit verbreitet (S.241).

Folge: Der Aussenhandel schrumpft (Anteil des Exports am Volkseinkommen: 1913 20,2 %, 1928 17,0 %, 1936 7,5 %)

Tabelle: Die  Festigung des Ausgleichs der Handelsbilanz im Dritten Reich

Import in  Mrd. RM Export in  Mrd. RM
Jahr 1928 14,00 12,23
Jahr 1929 13,45 13,48
Jahr 1932 4,67 5,74
Jahr 1933 4,50 4,87
Jahr 1936 4,22 4,77
Jahr 1939 5,21 5,65


(S.240)

bis 1934/1935
Die Reichswehr bleibt ein Verteidigungsheer
(S.208)

1934/1935
Auflösen der DINTA ins Amt für Berufserziehung und Betriebsführung der DAF
(S.309).

ab 1934
Babyboom im Dritten Reich
-- der Babyboom ist ein biologisch-instinktives Vertrauensvotum
-- jähes Ansteigen der Heiraten und der Kinderzahl (ehelich und unehelich) (S.222).

Tabelle: Geburtenanstieg im Dritten Reich 1933-1938
Jahr Geburten auf 1000 EinwohnerInnen
1933 14,7
1934 18 (+22,4 %)
1935 18,9
1936 19
1937 18,8
1938 19,6

(S.224)

Die Geburtenzuwachsrate bleibt aber weit hinter den Erwartungen der NS-Propaganda zurück (S.224).

Bürgermeister werden vermehrt auch Nicht-Juristen
-- vor 1933: 86,5 % mit Juristenexamen, 9,6 % ohne Hochschulabschluss
-- Hitlers Parole "Brechung des Juristenmonopols" erreicht eine leichte Umverteilung: 46,8 % mit juristischem Examen, 23,4 % ohne Hochschulabschluss
-- zahlreiche Nicht-Juristen mit sehr unterschiedlichen Berufswegen sind in kommunalen Spitzenpositionen, z.T. Aussenseiter (S.296).

ab 1934 ca.
Euthanasie-Schulung in Schulbüchern
Rechenaufgabe:
-- Kosten für einen geistig Behinderten pro Tag: 4 RM
-- Kosten für einen Krüppel pro Tag: 5,5 RM
-- Kosten für einen Verbrecher pro Tag: 3,5 RM
-- Anzahl Fälle: 300.000 im Reich.
Frage: Wie viele Ehedarlehen zu 1000 RM pro Jahr könnte man mit diesem Geld finanzieren? (S.220).

ab 1934
DAF: Amt "Schönheit der Arbeit" (SdA) unter Albert Speer
Das SdA-Amt ist Nachfolge des Deutschen Werkbundes DWB). Die führende Rolle bei der Verbesserung der Arbeitsbedingungen ist der Siemens-Konzern (S.304).
Ziel:
-- in den Betrieben menschenwürdige Bedingungen schaffen ohne Einmischen in die Unternehmensführung und ohne Exekutive Gewalt gegen den z.T. zähen Widerstand der Arbeitgeber
-- Veranlassen hygienischer, ergonomischer und sozialpolitischer Reformen durch zähes Fordern durch Anprangern in der Tagespresse
-- Parole: "Gutes Licht - gute Arbeit!", Folgen:  bessere Beleuchtung, Belüftung, Entlüftung (S.304)

-- Parole: "Saubere Menschen im sauberen Betrieb", Folgen:
oo  mehr Wasch- und Duschräume
oo  mehr sanitäre Einrichtungen
oo  Lärmverminderung
oo  subventionierte Kantinen
oo  Werkswohnungen
oo  Grünanlagen
oo  Sportplätze
oo  Kindergärten usw. (S.304).

Die DAF gewährt Betriebsinvestitionsdarlehen durch die DAF-Bank
wenn saubere Waschräume und helle Kantinen eingerichtet sind (S.305)

ab 1934 ca.
"Arbeiterschulung" auch für Frauen

NS-"Sozialarbeit" für Frauen mit Rassenwahn
Sozialarbeiterinnen ("Fabrikpflegerinnen" betreuen Arbeiterinnen:
-- Ausrichtung auf ein Arbeitsethos der Volksgemeinschaft
-- Erziehung zur Rassenreinheit (Geschlechtsehre)
-- Erziehung zur Erbgesundheit
-- Erziehung zur Gemeinschaftsfähigkeit (S.307).
-- Führen der Frau zum tüchtigen Menschen
-- Bewusstseinsförderung, bei aller Arbeit 100  % Frau zu bleiben
-- Durchsetzen des Arbeitsschutzes für Schwangere und des Mutterschutzes (S.307).

u.a.: Reichsfrauenführerin Gertrud Scholtz-Klink
-- Mutter von 11 Kindern, blonde Haarkranzfrisur, ist das Ideal der NS-Frau
-- sie ist Leiterin der NS-Frauenschaft, des DAF-Frauenamts, des Frauen-Arbeitsdienstes, der DRK-Frauenarbeit (S.308).

u.a.: Ilse Ganzert: Sie erfindet das Bielefelder Modell für Frauen, wird ins DAF-Frauenamt übernommen (S.309).

ab 1934
Hitler schafft ein neues gesellschaftliches Bewusstsein bei einer grossen Mehrheit der Deutschen
-- Hitler schafft eine neue Gleichheit unter Ungleichen bei Ausgrenzung von Minderheiten (S.332)
-- zum Teil sind die sozialen Elemente im 3.Reich gegen jeden Fortschritt
-- zum Teil sind die sozialen Elemente im 3.Reich emanzipatorisch
-- Hitler beseitigt viele soziale Hindernisse und Rückständigkeiten, z.B. verlieren die Grossbauern östlich der Elbe ihre Macht und müssen sich einordnen (S.333).

Parole "Volksgemeinschaft"
-- ist das wirksamste Element der NS-Propaganda
-- ist im alten und im neuen Mittelstand populär, denn die Weimarer Republik hatte ihr Ansehen verspielt

-- die NSDAP strebt  an, dass das Bewusstsein der Volkszugehörigkeit die Gegensätze von Parteien und Klassen überwindet, ohne dabei die soziale Schichtung aufzugeben [aber mit Ausschluss aller, die nicht zum "Volk" gehören sollen]

-- der Begriff "Volksgemeinschaft" ist "auch Aufruf zur Überwindung vorbürgerlicher, vorindustrieller, sozialer Hierarchien und Normen" mit dem Ziel, der Gesellschaft eine moderne Mobilität zu ermöglichen

-- Effekt der Überwindung alter Hindernisse:
oo  die Jugend kommt in Scharen
oo  Bildung einer jungen, neuen Elite, die dem NS-Regime eine ganz neue Energie verleiht (S.334).

Massenkundgebungen als politisches Mittel
-- die Massenkundgebungen sind keine Zwangsveranstaltungen
-- es ist der Wille eines jeden Einzelnen (S.334)

[nicht erwähnt: Wer durch Abwesenheit auffällt oder keinen Hitler-Gruss an der Kundgebung macht, wird des Verrats verdächtigt]

Hitler über "Volksgemeinschaft" am 27.1.1934 zu Hanns Johst:
"Das heisst Gemeinschaft aller wirkenden Arbeit
das heisst Einheit aller Lebensinteressen,
das heisst Überwindung von privatem Bürgertum und gewerkschaftlich-mechanisch organisierter Masse
das heisst die unbedingte Gleichsetzung von Einzelschicksal und Nation (S.334), von Individuum und Volk." (S.335)

[bei Ausgrenzung von all denjenigen, die nicht zum "Volk" gehören sollen].

ab 1934
KdF als Spitzel- und Manipulationszentrum
Die grosse Mehrheit der deutschen Bevölkerung lässt sich zu diesem KdF-Angebot missbrauchen. SA und SS bespitzeln die Leute auf den Konzerten und auf den Schiffen. Kampflieder-Singen und NS-Vorträge auf den Schiffen werden hingenommen. Theater- und Konzertbesuche kosten 50 Pfennig (S.312).

Die Reisen unter dem Amt für Reisen, Wandern und Urlaub (RWU) / KdF
-- unheimlich anmutende Billigangebote
-- enorme Subventionen, dadurch Massenbeteiligung möglich (Hitler besticht sein Volk)
-- keine Privilegierungen, alle dürfen auf den "Luxusdampfer"
-- Bau einer eigenen KdF-Flotte von Luxusdampfern (S.312).

Reisepreise:
-- Reise Bremen-Norwegen: 42 RM
-- Reise Bayern-Spitzbergen (10 Tage): 76 RM
-- Reise von München an die Mosel (8 Tage): 7 RM
-- Reise in der Ostsee (8 Tage): 32 RM
-- Reise nach Madeira (14 Tage): 48 RM (S.312)
-- durchschnittlicher Industrie-Wochenlohn: 28 RM (S.313).

KdF wird überlastet - negative Reaktionen in den Oberschichten
-- KdF stösst bald an seine Grenzen, kann mit den Zuwächsen im freien Fremdenverkehr nicht Schritt halten
-- Vorstellung von Ley: 14 Mio. sollen 12 Tage KdF-Urlaub pro Jahr verbringen
-- Reaktion des Bürgertums: die Arbeiterschicht wird in Kurorten und Heilbädern als "Eindringling" angesehen (S.313).

ab 1934
Erste KdF-Fahrten auf Luxusdampfern
-- Einheitsklasse, Passagiere und Besatzung sind einheitlich untergebracht

-- das KdF-System erregt Neid im Ausland, die KdF-Flotte wird zum besten Werbeträger der NS-Ideologie (S.312)

-- Standes- und Klassenunterschiede verschwimmen, auch oppositionelle ArbeitnehmerInnen lassen sich durch KdF für das NS-Regime gewinnen

-- KdF vermittelt die Illusion des sozialen Aufstiegs, der Arbeiter soll sich wenigstens einmal im Leben gleichberechtigt mit den oberen Schichten vorkommen (S.313)

-- sogar die SPD bilanziert schon 1934, die KdF sei eine positive Leistung des Regimes (S.313-314)

-- Manipulationsversuche des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes ADGB durch Infiltrierung scheitern (S.314).

Widerstand Kirche: Einige wenige aufrechte, aber einflusslose Pastoren kommen in KZs ums Leben
(S.405)



1935

Rudolf Olden (1885-1940) im Exil über Not und Nationalsozialismus
"Der Nationalsozialismus ist eine Funktion der deutschen Not. Seine Flut steigt mit der Flut der (S.34) Bankrotte, der Arbeitslosigkeit, des Hungers." (S.35).

Kirche: Protestantischer Leiter Knak behauptet, Judentum bringe Verderben
-- Siegfried Knak, Direktor der Berliner Missionsgesellschaft
-- das Judentum bringe den Völkern Verderben, deswegen seien harte Massnahmen rechtens
-- Knak: "Ein Jude wird durch Taufe und Glauben nicht ein Deutscher"
-- Knak beschwört eine "judenreine Kirche" (S.408).

Erste Mitgliederstatistik der NSDAP
(S.161)

Widerstand: Kabarettist Werner Frinck mit "Die Katakombe" ist zeitweise in Haft
(S.475)

Die politischen Leiter der NSDAP (Funktionäre)
Rekrutieren politischer Leiter: meist aus der Arbeiter- und Bauernschicht:
-- 14,7 % der politischen Leiter aus dem Bauernstand
-- 112.328 politische Leiter , prozentual am meisten
-- Mittelschicht stellt die meisten Mitglieder, stellt 59,7 % der politischen Leiter (S.162).

Idealisten in Leiterposten
-- gibt es, z.B. Rudolf Hess (1894-1987), er bleibt Hitler hörig bis zum Tod
-- betreiben keinen Machtmissbrauch (S.162).

Das Funktionärscorps
ist im allgemeinen eine Kumpanei der Machtbesessenen und Nutzniesser,
-- mit Ämterschacher
-- mit Willkür
-- v.a. mit Korruption (S.162).

Die Gauleiter
Gau ist die mittelalterliche Bezeichnung für Herrschaftsbereich von Unterkönigen. Gaue im 3.Reich sind territoriale Organisationseinheiten. An der Spitze eines Gaues steht ein Hitler-Vertreter oder dessen Partei-Stellvertreter als Gauleiter, Reichsstatthalter, Reichskommissar (S.162).

1935?
Abschaffung des Streikrechts im Dritten Reich
Die Abschaffung des Streikrechts wird von der Arbeiterschaft infolge der zurückgehenden Arbeitslosigkeit nicht sehr beachtet (S.272)

ab Anfang 1935
Aussenpolitische "Erfolge" Hitlers

[nicht erwähnt:
-- Hitler kann sich als Gegensatz zu den Beschlüssen von Versailles von 1919 präsentieren und die Korrektur der völkerrechtswidrigen Beschlüsse in Angriff nehmen

-- Hitler hat in Stalin einen "Blutsverwandten", Stalin und Hitler halten Europa in Atem, und der Völkerbund verliert allen Einfluss

-- Hitlers Expansionsgedanken werden laufend von Rassistenlehren unterstützt, die um 1870  ca. erfunden wurden und bis 1945 an allen Universitäten legal gelehrt werden

- Hitlers Expansionsgedanken werden von Germanen-Kulten unterstützt, die seit der Renaissance in Europas Oberschichten mehr oder weniger präsent sind und in Krisenzeiten immer wieder neu "ausgegraben" werden].

Hitlers Politik der "vollendeten Tatsachen"
Hitler beteuert im Völkerbund immer seine Friedensabsichten und die militärische Schwäche des 3.Reiches. Hitlers Kriegsäusserungen an anderer Stelle werden nicht ernst genommen und niemand fürchtet sich (S.133). Die Selbstverharmlosung und Verschleierungstaktik funktioniert (S.134).

Hitler landet aussenpolitisch gleichzeitig einen "Erfolg" nach dem andern und bringt die deutsche Bevölkerung in einen Sog der Erfolge. Hitler imponiert  durch den Machtzuwachs Deutschlands innerhalb Europas und erntet bei der Bevölkerung z.T. uneingeschränkte Bewunderung (S.133).

Der Völkerbund gibt nur eine Scheingarantie für bedrohte Staaten und greift kaum ein. Aggressoren kommen seit 1933 mit einer Verurteilung davon, ohne dass militärisch vorgegangen wird:
-- 1933: Japan in der Mandschurei
-- 1935: Italien in Abessinien
-- und: Völkerbund-Sanktionen bleiben wirkungslos. Aus diesen Ereignissen formt Hitler sein Kalkül (S.133).

1935
HJ-Strukturen
-- Reichssportwettkampf (RSWK)
-- Jugendsozialarbeit
-- Fahrten und Zeltlager
-- musische Wettbewerbe
-- seit 1934: Reichsberufswettkampf schafft besseres Fortkommen im  Beruf (S.347).

Besondere HJ-Einheiten für die technisch begeisterte Jugend
Nachrichten-HJ, Marine-HJ, Flieger-HJ, Motor-HJ, kein Massenbetrieb. Die spezialisierten Gruppen heben sich von der allgemeinen HJ ab. Die wenigsten Jugendlichen ahnen dabei, dass sie für einen Krieg vorausgebildet werden (S.347).

Attraktivität der HJ für die Jugendlichen
-- die HJ bietet eine andere Lebensform an, ist besonders für Jugendliche auf dem flachen Lande attraktiv, für Jugendliche des politisch und konfessionell passiven Arbeiter- und Mittelstandes, für Jugendliche aus ärmeren Schichten (Sommer- und Skilager)

-- die HJ macht Anstrengungen, soziale Schranken niederzureissen, gegen "bürgerliche Muttersöhnchen"

-- die HJ veranstaltet attraktive sportliche und berufliche Leistungswettbewerbe

-- für Karrieretypen ist ein erfolgreicher HJ-Dienst das Sprungbrett für die Karriere in der NSDAP, v.a. im Reichsarbeitsdienst RAD und in der SS (S.349)

-- der BdM ist sehr wichtig für Mädchen in Dörfern, Kleinstädten, teils Grossstädten, vermittelt eine Art Emanzipation, mindestens aber eine Modernisierung des Lebensstils (S.349).

Konfessionelle Arbeit in der HJ
-- keine konfessionelle Arbeit ausser religiöse Unterweisung
[-- Hitler ist der Gott]
-- zum grossen Teil Unterdrückung der legalen Arbeit konfessioneller Jugendverbände
-- Ausschalten der kirchlichen Jugendarbeit (S.348).

Fehlende Schulreformen treiben die Jugendlichen zur HJ
Die höheren Schulen leisten der HJ Hilfsdienste, halten aber nicht viel von der HJ-Methodik und bleiben verstaubte, unzeitgemässe "Paukschulen". Die Jugendlichen haben in den höheren Schulen den Eindruck eines sinnlosen Daseins und lassen ihr Leben in der HJ aus. in der Folge verfällt das Bildungsniveau, auch Lernwillige bekommen Probleme.

Die 16- bis 18-Jährigen führen eine Doppelexistenz in der Schule mit wenig Rechten und viel Pflichten, in der HJ als vollwertiges Glied des NS-Jugendstaates. Dementsprechend ist das Auftreten [in kompensatorischer Art und Weise] (S.348).

13.1.1935
Saarland-Abstimmung für den ersten "Anschluss"
-- kontrolliert von internationaler Polizei
-- es ist die letzte freie Auseinandersetzung zwischen Ja oder Nein zum NS-Regime auf deutschem Boden (S.392):
-- Wahlbeteiligung: 97 %
-- Ja-Stimmen für das 3.Reich: 90,8 % (477.119)
-- Stimmen für das Fortbestehen eines Status quo: 8,8 % (46.513)
-- Ja-Stimmen für Frankreich: 0,4 % (2124)

->> Reaktion: Hitler gesteht, er habe nicht mit solch einem grossen Sieg gerechnet (S.393).
[->> die französische Politik erleidet eine absolute Niederlage vor der ganzen Welt].

24.1./27.2.1935
Zwangskonversion mit Höchstzinssatz 4,5 % auf alle öffentlichen Papiere
Zweck: Vorbereitung des engen Kapitalmarktes für neue Reichsanleihen (S.232). Die Zinsen für Papiere sollen niedrig bleiben, sonst ist der Schuldendienst des Dritten Reiches nicht mehr vertretbar (S.233).

26.2.1935
Stufenweises Einführen des Arbeitsbuches als Kriegsvorbereitung
-- seit 1869 war das Arbeitsbuch abgeschafft
-- Zweck: staatliche Kontrolle der Arbeit
-- Entstehen von Arbeitsbuchkarteien, die auch zur Wehrerfassung genutzt werden [optimale Verteilung der Fähigkeiten im Heer] (S.275).

16.3.1935
Allgemeine Wehrpflicht
Folge: Entlastung des Arbeitsmarktes (S.326).
-- ist beim Volk populär, v.a. als Entscheid gegen Versailles
-- viele Parteigegner "kippen" um und werden Anhänger Hitlers (S.149)
-- es gelten im Heer erst recht keine Standesprivilegien mehr, im Heer gilt "Gleichberechtigung", was der Unterschicht imponiert [auch die Gleichberechtigung zu sterben...]

- es können alle Offizier werden
- aus der der Tradition verhafteten Reichswehr wird ein revolutionäres NS-Volksheer gebildet (S.301).

21.3.1935
Neues Wehrgesetz: Reichsarbeitsdienst integriert als militärischer Dienst
§8 Abs. 3: Der RAD soll auch eine Art vormilitärische Ausbildung sein (S.326). Festlegen einer Ausbildung gemäss §8 Abs. 3 am Karabiner 98k, Handgranate und leichtem Maschinengewehr MG
-- Ausbildung 1/2 Jahr für alle Männer zwischen 18-25 Jahren
-- ist die Voraussetzung zur Verwirklichung des "NS-Volksheeres" (S.327,329-330)
-- es ist ein "klassenloses" Zusammensein, wirkt allgemein positiv (S.331).

31.3.1935
Reichsfernsehen: Fernsehsender Paul Nipkow: Ansage, Nachrichten, Spielfilm
Das Dritte Reich imponiert der Welt mit dem weltweit ersten regelmässigen Fernsehen (S.303).

23.4.1935
Gesetz zur Amnestie der SA-Gewalt bis hin zum Todschlag
Amnestie zugunsten aller Gewalthandlung der SA (S.180).

26.6.1935
Gründung des Reichsarbeitsdienstes RAD
Folge: Entlastung des Arbeitsmarktes (S.326):
-- alle 18-25-jährigen Männer müssen den Arbeitsdienst als "Ehrendienst am deutschen Volk" unter dem Symbol "Spaten und Ähren" leisten (S.326)

-- RAD-Führer sind z.T. parteiunabhängig, aber unter den RAD-Unterführern gibt es auch "üble" Typen, die von ihren Kompetenzen geblendet sind
-- fast alle Volksschichten bejahen den RAD
-- für die Betroffenen ist der RAD ungünstig, für viele eine ungewohnte Strapaze mit schwerer körperlicher Arbeit, primitiven Unterkünften (S.328).

Dienste des RAD: Strassenbau, Wegebau, Hochwasserschutz, Be- und Entwässerung, Ödlandaufforstung (S.329).

-- Abiturienten werden besonders häufig zu Putzarbeiten eingesetzt
-- RAD-Lieder mit Beschwörung der Treue zum Staat (S.329)
-- RAD ist praktisch die Voraussetzung für den Wehrdienst, wird zu eine vormilitärischen Ausbildung mit Karabiner, Handgranat, leichte Maschinengewehre, ist der erste Schritt zu einem NS-Volksheer (S.330).

28.6.1935
Neue "Gerichtspflege" des "Volksgerichtshofs" (VGH)
-- Grundsatz bisher (Reichsgericht): "Nulla poena sine lege" ("Keine Strafe ohne Gesetz") gemäss Artikel 116 der Reichsverfassung:

"Eine Tat kann nur bestraft werden, wenn die Strafbarkeit gesetzlich bestimmt war, bevor die Tat begangen wurde." (S.180)

Neu wird Artikel 116 durch §2 des StGB ersetzt:

"Bestraft wird, wer eine Tat begeht, die das Gesetz für strafbar erklärt, oder die nach gesundem Volksempfinden Bestrafung verdient."

-- die Bindung des Strafrichters an das Gesetz ist beseitigt, Gefühl und "Empfinden" werden ausschlaggebend
-- §2 wird "analog" auf ähnliche Tatbestände angewandt, obwohl die Tatbestände nicht strafbar wären

-- das "Empfinden" und die Gesinnung können beim Richter voll durchschlagen mit dem Gedanken des Richters: Zwar ist der Täter nach dem geltenden Recht nicht strafbar und müsste also freigesprochen werden, ich bestrafe ihn jedoch, indem ich §xyz "analog" auf seine Tat anwende

-- jegliches Recht ist im 3.Reich damit aufgehoben und eine Empfindungsdiktatur geschaffen (S.181).

Der Mittelstand akzeptiert die Empfindungsdikatatur
Einstellung des Mittelstands: Die Ordnung muss nicht unbedingt im Rahmen der Rechtsstaatlichkeit aufrecht erhalten werden, sondern kann auch Aufrechterhaltung der Ordnung mit Hilfe des Rechts bedeuten. Also: Viele Deutsche befürworten die antijüdischen Nürnberger Gesetze, weil jene Massnahmen "durch Gesetz", also "ordnungsgemäss" erfolgen (S.182).

Die Bevölkerung verdrängt die Judenverfolgung durch den VGH
-- viele Deutsche weigern sich, vom NS-Terror Kenntnis zu nehmen, verdrängen die finsteren Seiten des Dritten Reichs, so wie das Reich den Terror ab 1934 unauffällig und abgeschirmt vollzieht

-- der Terror passiert täglich, aber versteckt, hinterhältig, geräuschlos, mit einer Verfolgungsbürokratie

-- da der Terror gesetzlich "geregelt" ist und sich der Terror bürokratisch abwickelt, ist das für fast alle Deutsche ein bequemes Alibi, die Augen vor dem Schicksal der NS-Opfer zu verschliessen

-- augenfälliger Terror gegen Juden 1935 und 1938

-- die Bevölkerung hat Mitleid mit den Opfern, aber zu Folgerungen und Systemveränderungen ist die Bevölkerung nicht fähig

-- z.B. Carola Stern (BdM-Führerin Jg. 1925): "Wir wussten mehr, als wir zugeben mochten ... Wenn wir die Opfer kannten, empfanden wir Mitleid. Doch Folgerungen zogen wir nicht." (S.182)

15.9.1935
Nürnberger Gesetze: Blutschutzgesetz für Deutsche gegen Juden
-- Verbot von Heiraten mit Juden
-- Verbot von Geschlechtsverkehr mit Juden
-- es ist die Pervertierung der in der Weimarer Republik verbreiteten humanen Rassenhygiene. Eitner:

"Die schon in der Weimarer Republik verbreitete humane Rassenhygiene wird im NS-Regime pervertiert." (S.224)

-- kein Widerstand der deutschen Bevölkerung, sogar breite Zustimmung. Mitleid würde sofort Verdacht provozieren. Private Hilfe für verfolgte Juden in Verstecken (S.379)
-- niemand riskiert etwas, Verbindungen hören allmählich auf, weil beide Seiten in Verlegenheit geraten
-- nicht einmal NS-kritische Gruppen äussern Kritik an den Gesetzen
-- für Juden will niemand etwas riskieren
-- besondere Zustimmung hat die Bevölkerung für den Ausschluss der Juden aus den Staatsbürgerrechten (S.380)
-- bis 1935 werden jüdische Zeitungen öffentlich verkauft (S.380).

Arisierung von jüdischen Geschäften - jüdische Emigration
Zwang für jüdische Geschäftsinhaber, ihre Geschäfte zu liquidieren oder durch Verkauf unter Wert "arisieren" zu lassen,
-- Emigration

-- die deutsche [und schweizerische!] Industrie erwirbt so jüdische Unternehmen zum Spottpreis

-- z.T. hilft die deutsche Bevölkerung den jüdischen Geschäftsfreunden, ihr Hab und Gut vorteilhafter zu veräussern, als es den Behörden angegeben wird, mit Risiko der Strafverfolgung (S.380)

15.9.1935
Fahnengesetz
- die Reichsfarben sind schwarz-weiss-rot
- Reichs- und Nationalflagge sei nur die Hakenkreuzfahne (S.86).

3.10.1935
Italien besetzt Abessinien - Sanktionen gegen Italien werden von Hitler mit Hilfe der Schweiz unterlaufen
-- Frankreich und England unternehmen keine militärische Aktion gegen Italien
-- Sanktionen Englands gegen Italien (Sperren von Waffenlieferungen, Kredite, Rohstofflieferungen) bleiben wirkungslos (S.133)

[nicht erwähnt:
-- die Massnahmen bleiben u.a. deswegen wirkungslos, weil Hitler an Italien Kohle durch die Schweiz liefern lässt. Die Lieferungen gehen durch die "neutrale" Schweiz gemäss dem "Gotthardvertrag"
-- die Bande zwischen Hitler und Mussolini wird enger, und Mussolini steht als Bittsteller da
-- die Schweiz unterstützt indirekt den Krieg Italiens in Abessinien].

18.10.1935
Gesetz zum Schutz der Erbgesundheit: Heiratsverbote
Heiratsverbot bei bestimmten körperlichen Krankheiten oder vom NS-Staat definierten "geistigen Störungen" (S.224)

Ende 1935
Rückgang der geahndeten Gewaltsdelikte gegenüber 1932
geahndete Gewaltakte: Rückgang um über 30 %
geahndete Tötungsdelikte (S.176): Rückgang um über 30 %
Diebstähle: Rückgang um über 33 % (S.177).

1935/1936
Allgemeiner Aufschwung in der Weltwirtschaft
(S.202)

1935/1936
Erfolg der Arbeitsbeschaffung: Arbeiter verlieren politische Freiheit, gewinnen soziale Sicherheit
(S.272)

1935-1939
Kunst ohne politische Aussagen in der NS-Diktatur
- die politischen Aussagen in der Kunst werden zurückgedrängt, die Diktatur ist gefestigt und braucht die künstlerische Verstärkung nicht
- die "Volkskunst" ist Unterhaltung und Zerstreuung, um den Alltag zu vergessen
- Genremalerei, Bauern- und Familienromane, Komödien, Rundfunk-Unterhaltung etc. (S.190).

ab 1935
SS-Zentralorgan "Das Schwarze Korps"
- erreicht 1937 eine Auflage von 500.000
- hat 1944 eine Auflage von 750.000
- alles darf geschrieben werden

- Hauptschriftleiter/Chefredakteur: Gunther d'Alquen (geb. 1910), ein Rebell gegen deutsch-nationale Bürgerlichkeit, pflegt die Extreme: Hassfeldzüge gegen Judentum und Katholizismus, Bürgertum, Beamtenstand, aber auch kritische Leserbeiträge gegen das NS-Regime

- die Journalisten des Blattes sind radikal, intelligent, Sprachrohr von revolutionärem Nationalsozialismus, Anprangern von Missständen, Korruption, Ämterschachern, es werden offene Worte gesprochen, brillante Formulierungen

- das Blatt "Das Schwarze Korps" hat im Volksmund den Übernamen "Reichsbeschwerdestelle" und "oppositionelle Zeitung" (S.419-420)

ab 1935 ca.
Das 3.Reich aus der Sicht der jüdischen Emigration: schwarz-weiss
-- jüdische Emigranten sehen oft schwarz-weiss: auf den Sesseln die Teufel, in den KZs ihre Helden
-- jüdische Emigranten sehen die komplexen Zusammenhänge nicht, was erst sehr viel später erkannt wird (S.410).

Widerstand bei Kulturschaffenden
-- viele erkennen, dass sie sich 1933 von der Aufbruchstimmung haben verleiten lassen
-- viele trennen sich vom NS-Terror-Regime und begeben sich in innere Emigration
-- Beginn der Gratwanderung gegenüber der NS-Überwachung, manche Schriftsteller  verstummen konsequent (S.119)

-- Werner Bergengruen (1892-1964): "Der Grosstyrann und das Gericht" (1936)
-- Ernst Jünger (geb. 1895): "Auf den Marmor-Klippen" (1939; "Gärten und Strassen" (1942)

-- Jochen Klepper (1903-1942): "Der Vater" (1937)
-- Friedrich Percival Reck-Malleczewen (1884-1945): "Bockelson. Geschichte eines Massenwahns" (1937)
-- Reinhold Schneider (1903-1958): "Las Casas vor Karl V. Szenen aus der Konquistadorenzeit" (1938); "Macht und Gnade" (1940), dann Schreibverbot
-- Frank Thiess (1890-1977): "Das Reich der Dämonen. Roman eines Jahrtausends" (1941) (S.119).

ab 1935 ca.
Hitler ist populär, die NSDAP ist nicht populär
-- das, was Hitler verkörpert, wird mehrheitlich populär, ein glorifizierter "Führer"
-- die NSDAP und die Amtsträger sind mehrheitlich unpopulär, eine ungeliebte Partei mit Massenorganisationen, Bonzentum und Pfründenwirtschaft, die fast überall sichtbar ist
-- Hitler fördert diese Entwicklung bewusst, aber das Volk weiss das nicht
-- Bonzentum und Korruption prägen das negative Bild der NSDAP vom Anfang bis zum Ende
-- Hitler zieht mit seinen Erfolgen viele Kritiker auf seine Seite gemäss dem Sprichwort: "Erfolg erzeugt Erfolg", so der NS-Gegner Erich Ebermayer am 30.1.1934 (S.147).

-- Hitler wird bei der Arbeiterschaft als Hoffnungsträger über Partei und Alltag gestellt
-- Hitlers Charisma bleibt vom widrigen NS-Alltag weitgehend unangetastet (S.149).

Nationalkonservative werden NS-Opfer
werden z.T. exekutiert (S.71).

ab 1935/1936
Wohnungsbau-Chaos
-- vermehrt öffentliche Grossbauten
-- vermehrte Privatisierung des Wohnungsbaus durch Anreize (S.227).



1936

bis 1936
Industrie und Reichswehr sind politisch relativ unbeeinflusst
(S.242)

1936
Hitlers Popularität
-- fast niemand kann mehr schlecht finden, was Hitler tut
-- die Erfolge sind durchgreifend, das Volk entwickelt eine "Liebe" zu Hitler z.B. an den Führer-Geburtstagen

-- Reichspressechef Otto Dietrich: "Wohl kein Sterblicher ist je von Liebe und Vertrauen getragen worden wie Adolf Hitler, der Mann aus dem Volke", und für die damalige Situation ist dies zutreffend (S.149)

-- Konrad Heiden 1937 aus dem Exil: "Hitler hat das deutsche Volk erobert. In jedem Sinne ist dies richtig"
-- die Hitler-Gegner müssen an sich selbst zweifeln (S.152)

Erfolge Hitlers:
-- Rückkehr des Saargebiets
-- Wehrpflicht
-- Flottenabkommen mit England
-- England unterstützt offiziell Hitlers Versailles-Korrekturen (S.149).
-- Olympische Winterspiele in Garmisch mit noch nie da gewesenen Perfektionen der Superlativen
oo  die Schilder "Juden sind hier unerwünscht" verschwinden in Garmisch für eine gewisse Zeit
oo  Dokumentarfilm über die Garmisch-Spiele wird gedreht vom einstigen Kommunisten Carl Junghans: "Jugend der Welt"
oo  die Sporterfolge helfen, den NS-Terror zu verdecken, die Kultur der Massenstimmung wird gepflegt

-- Olympische Sommerspiele in Berlin
oo  allgemeine Anerkennung des Hitler-Regimes durch die ganze Welt
oo  Eindruck des piekfeinen, friedlichen, sauberen, ordentlichen, friedlichen Deutschlands
oo  hinter dieser Fassade verschwinden alle Spuren von Verfolgung und Gewalt
oo  die Billette zu Olympia tragen weder Hakenkreuz noch Adler
oo  Hitler im Olympiastadion strahlt heitere Ruhe und Gelassenheit aus, die NS-Gegner resignieren (S.150)

oo  Hitlers Olympia wird sogar als die schönsten und bestorganisierten Spiele der Neuzeit bezeichnet, die kriminelle Kehrseite bleibt versteckt (S.151)
oo  Deutschland wird Tourismusziel im Ausland, wird als Reiseland angepriesen (S.152).

Der "Stürmer" wird während der olympischen Spiele verboten
(S.377)

Forschungsabteilung "Judenfrage"
Der protestantische Theologe Gerhard Kittel ist Mitbegründer der Forschungsabteilung "Judenfrage" des "Reichsinstituts für die Geschichte des neuen Deutschland" (S.107)

Unterbinden des freien Devisenhandels und Preisstop
Vertuschen der Inflation (S.214).

1936
Zum Teil Zwangsumsiedelung der Arbeiter wegen Rohstoffmangel
-- gelegentlich Kurzarbeit
-- gelegentlich Aufenthalts- und Wohnungswechsel
-- keine gravierenden Einbrüche in der Arbeitsmoral, weil die Grundhaltung soweit positiv auf Hitler fixiert ist (S.276).

Anfang 1936
VW: "Volkswagen": die ersten 5 Prototypen, dann 50 Versuchswagen
(S.317). Bau der VW-Fabrik in Fallersleben, später von Wolfsburg eingemeindet (S.318).

VW-Sparen
-- Preis des VW: zuerst 990 RM, dann 1400 RM
-- vierjähriges Sparsystem mit Raten
-- auf diese Weise wird gleichzeitig überschüssige Kaufkraft abgeschöpft
-- bis 1939 werden nur Prototypen produziert (S.318).

ab Anfang 1936 ca.
Hitlers Wirtschaftswunder kommt zum Tragen
-- Erreichen eines 1932 für undenkbar gehaltenen Lebensstandards
-- die Reputation im Ausland und der Neid des Auslands auf den deutschen Lebensstandard steigen

-- Nutzen riesiger unausgelasteter Kapazitäten, die nur genutzt werden müssen, sie müssen nicht erst geschaffen werden, so wird auch die Aufrüstung möglich (S.207)
-- immer mehr Staatsausgaben in die Rüstung (S.208).

Hitler forciert die Aufrüstung
Die Aufrüstung ist aber nicht Ursache für den Wirtschaftsaufschwung (S.207).

Das Erreichen der Vollbeschäftigung
-- Erreichen der Vollbeschäftigung zu einem Zeitpunkt, wo die Rüstungsfrage und Truppenverstärkung nur bescheidene Umfänge aufweisen (S.207-208)
-- die Vollbeschäftigung kommt nicht aufgrund der Aufrüstung zustande (S.208).

ab Anfang 1936 ca.
Kirche: Offener Konflikt zum NS-Regime gegen den NS-Rassismus
z.B. der Münchner Kardinal Faulhaber: Er verfasst die entscheidenden Regime-kritischen Passagen der einzigen deutschsprachigen, päpstlichen Enzyklika "Mit brennender Sorge" (S.402).

22.1.1936
Zusammenschluss der freien Wohlfahrtspflege mit der öffentlichen Fürsorge
Die Nationalsozialistische Wohlfahrt NSV wird zur dominierenden Organisation der Wohlfahrtspflege (S.322).

15.2.1936
Rede Hitlers in Berlin: Hitler fordert das Auto als Gebrauchsobjekt für alle
-- die gelingt nur, wenn das Verhältnis zwischen Einkommen der breiten Massen und die Anschaffungs-, Betriebs- und Erhaltungskosten des Autos stimmen
-- Vorbild ist die "USA", dort ist die Relation zwischen Lohn und Autokosten gelöst
-- Vorgehen: Hitler bricht alle Widerstände der Automobilindustrie (S.317).

Frühjahr 1936
Oswald Sprengler prophezeit Hans Frank den Untergang Deutschlands
dass "wohl in 10 Jahren ein Deutsches Reich nicht mehr existieren werde" (S.136).

7.3.1936
"Aussenpolitik": Rheinlandbesetzung
(S.393)

[-- ist ein weiterer "Anschluss"
-- wird von "amerikanischer" Seite als Besetzung des "Hinterhofs" betrachtet, wie "USA" auch die Karibik als ihren "Hinterhof" betrachtet].

10.3.1936 ca.
Hitler erklärt das Wahlrecht zur "Wahlpflicht"
(S.393)

29.3.1936
Reichstagswahl nach der Rheinlandbesetzung
Parole überall, auch in Schulen:

"Bei dieser Wahl darf keiner fehlen! Jede Stimme dem Führer! Wer nicht für Adolf Hitler stimmt, ist ein Volksverräter!"
um die Besetzung des Rheinlandes untermauern (S.393).

Tabelle: Reichstagswahl nach der Rheinlandbesetzung 29.3.1936
Ja-Stimmen für Hitler 98,8 %
Nein-Stimmen 540.000
Nichtwähler 452.000
am wenigsten Ja-Stimmen: Leipzig 97,4 %
am wenigsten Ja-Stimmen: Hamburg 95,8 %


Der Widerstand resigniert (S.394).

Sommer 1936
Erste Live-Übertragung am Fernsehen mit Ton an den olympischen Spielen in Berlin
Schwierigkeiten:
-- grosse Lichtschwankungen
-- Störungen durch zu grelles Sonnenlicht und aufziehende Wolken (S.303).

Effekt der Direktübertragungen:
-- die Berliner Bevölkerung kann in 25 Fernsehstuben in Berlin und Potsdam die Spiele live mitverfolgen, wird von 160.000 Menschen genutzt
-- Ministerialbeamte und Industrielle können an 50 Privat-Fernsehempfängern in Schrankgrösse die Spiele live mitverfolgen (S.303).

2.7.1936
Gesetz über Hypothekenschulden: Verpflichtung der Geldgeber zu niedrigen Zinssätzen
wenn nicht freiwillig, dann per Richterverfügung (S.232).

26.8.1936
Der neue Vierjahresplan zur Kriegsbereitschaft
(S.208)

Hitlers Dekret zur internen Kriegsankündigung
-- Industrie und Wehrmacht müssen 1940 kriegs- und einsatzfähig sein (S.151)
-- die grosse Volksmehrheit will den nationalen Erfolg, aber keine bedeutenden Opfer und keinen Krieg
-- die Propagandamaschinerie läuft, erzeugt Spannungen im Volk, die mit nationalen Erfolgen immer wieder überbrückt werden (S.152).

Mitarbeiter Hitlers dieses Mal: Carl Krauch, Generaldirektor des Konzerns IG Farben.

Krauchs Amt wird ironisch auch als "Reichsamt für IG-Ausbau" bezeichnet. Die nominellen Ziele sind dieselben wie beim ersten Vierjahresplan (S.242).

Hitler diktiert die Industrie allein. Die Industrie hat keinen Einfluss mehr auf die Regierungspolitik (S.243).

Die Wirtschaftslenkung erfolgt durch den Wehrwirtschaftsführer des NS-Regimes (S.243).

-- die Reichswehr wird zum Angriffsheer umformiert
-- geheime Denkschrift 26.8.1936 Hitlers als "Vierjahresplan" getarnt (Kopie nur an Göring und Blomberg, 1944 auch an Speer):

1. Die deutsche Armee muss in vier Jahren einsatzfähig sein
2. Die deutsche Industrie muss in vier Jahren kriegsfähig sein (S.208).
Ziel Hitlers: Lösung der Rohstoff- und Devisenprobleme durch die "Erweiterung des Lebensraums" und der Rohstoff- und Ernährungsbasis [bzw. Vernichtung und Ausbeutung Russlands] (S.209).

Inhalt des Vierjahresplans zur Kriegsbereitschaft
-- Investitionsprogramm und direkte Kriegsvorbereitungen (Ausbau der Rohstoffbasis, der Agrarerzeugung)
-- im Stab des Vierjahresplans sitzen erstklassige Fachleute, nur wenige überzeugte NS-Leute
-- eine Kriegswirtschaft wird nicht vorbereitet (S.208) [weil man für "Blitzkriege" keine Kriegswirtschaft benötigt].

29.8.1936
Hitlers Aufruf für einen "NS-Musterbetrieb"
Folge:
-- Wetteifer der Betriebe um die besten sozialpolitischen Leistungen
-- ab dem Arbeitskräftemangel (S.305) betriebliche soziale Anreize: Gratifikationen, Urlaubsgelder, zusätzliche Alters- und Lebensversicherungen, erhöhte Deputate (Sachbezüge als Teil des Einkommens), verbilligte Lebensmittelbezüge, kostenlose ärztliche Behandlung, werkseigene Ferienheime, Baukostenzuschüsse, Werkswohnungen, sogar: Bereitstellen von Leicht-Motorrädern für Pendler (S.306).

4.9.1936
Vierjahresplan-Befehl von Göring an die unteren Stellen
Formulierung: Man solle den Vierjahresplan so verwirklichen, als ob man "im Stadium drohender Kriegsgefahr" sei (S.208).

12.11.1936
Beschluss des Reichswirtschartsministeriums zur Zwangskartellisierung der Wirtschaft
Folge: Die Spitzengremien der Wirtschaftsverbände beherrschen faktisch das Kartellwesen (S.257).

1.12.1936
HJ-Gesetz: HJ als "Dritte Kraft" [der Menschendressur]
-- die HJ wird neben Elternhaus und Schule dritter Erziehungsfaktor, aber immer noch "freiwillig"
-- ausserhalb von Familie, Kirche und Schule ist die deutsche Jugend in der HJ "körperlich, geistig und sittlich im Geiste des Nationalsozialismus zum Dienst am Volk und zur Volksgemeinschaft zu erziehen"
-- Aufnahme der 10-jährigen Kinder in die HJ jeweils am 20. April, am Führergeburtstag (S.345).

Eidesformel der HJ auf Adolf Hitler
"Ich verspreche, in der Hitlerjugend allzeit meine Pflicht zu tun in Liebe und Treue zum Führer und zu unserer Fahne. So wahr mir Gott helfe!" (S.345)

Ende 1936 ca.
Die Olympiade im Propagandafilm von Leni Riefenstahl

-- 1. Teil: "Feste der Völker" (1936)
-- 2. Teil: "Fest der Schönheit" (1938)
enthalten neue Kameratechniken und filmische Vollendung, je 4 Stunden Kraftprotzerei, u.a. mit dem mehrfachen Goldmedaillengewinner, dem Schwarzen Jesse Owens (S.127).

1936/1937
Beinahe Vollbeschäftigung
-- Hitler hat bis auf wenige Reste alle ArbeiterInnen hinter sich
-- soziale Sicherheit der Arbeiter:
oo  Arbeitsplatzsicherheit
oo  Kündigungsschutz
oo  bezahlter Urlaub
oo  bessere betriebliche Einrichtungen

-- ist die entscheidende Voraussetzung für die Stabilisierung des Regimes
-- verloren gehen:
oo  Koalitionsrecht und Streikrecht
oo  Tarifhoheit
oo  betriebliche Mitwirkung

-- es kommt nur vereinzelt zu Arbeitsniederlegungen
-- aus Sicht der ArbeiterInnen haben bis 1933 die Gewerkschaftsfunktionäre versagt, denn was die Gewerkschaften dauernd in der Weimarer Republik versprochen haben, haben die ArbeiterInnen erst unter Hitler erhalten (S.273).

Tabelle: Arbeitslose im Dritten Reich
Jahr 1932 5,6 Mio.
Jahr 1933 4,8 Mio.
Jahr 1934 2,7 Mio.
Jahr 1935 2,1 Mio.
Jahr 1936 1,6 Mio.
Jahr 1937 0,9 Mio., erstmals unter dem Stand von 1928
Jahr 1938 0,4 Mio. , erstmals unter dem Stand von 1914
Jahr 1939 0,1 Mio.

(S.273)

1936-1939
Jugendkritik am NS-Regime
Jährlich finden zehntägige Reichsführerlager der HJ statt, die mit Ausbrüchen jugendlichen Zorns begleitet sind (S.418).

1936-1939
Vergeblicher Versuch des Aufbaus einer gewerkschaftlichen Widerstandsbewegung gegen den Krieg
-- Versuch unter Jakob Kaiser (1888-1961) und Wilhelm Leuschner (1890-1944)
-- der Versuch des Aufbaus von gewerkschaftlichem Widerstand gegen den Krieg scheitert
-- Interesselosigkeit bis Ablehnung bei den Arbeitern, denn Hitler hat den Arbeitern das gegeben, was die Gewerkschaften ihnen früher versprochen hatten

-- Hitler hat der Arbeiterschaft soziale Anerkennung verschafft
-- Hitler hat die Versäumnisse des Bürgertums beseitigt, die die Gewerkschaften nicht überwunden haben

-- Hitler ist für den Wandel des Selbstbildes der Arbeiterschaft selbst der Boden, also kann Hitler nie in Frage gestellt werden
-- die Arbeiterschaft ist in der Stimmung, dass Hitler gar nie für etwas schuldig gemacht werden kann
-- das Vertrauen in den Führer ist bei der Arbeiterschaft nicht angreifbar, gemäss eines SD-Berichts auch im März 1945 nicht (S.278-279).

1936-1944
Freundeskreis Reichsführer-SS
-- Unterstützen von Heinrich Himmler durch leitende Persönlichkeiten von 14 der 52 grössten deutschen Aktiengesellschaften
-- dafür erhält der Freundeskreis SS-Förderung seiner Interessen (S.255-256).

ab 1936 ca.
Allgemeine Ansicht der Bevölkerung: NS-Diktatur = Rote Diktatur
Es hat keinen Sinn, eine braune Diktatur durch eine rote zu ersetzen (S.399).

ab 1936
Hitler-Begeisterung und Hitler-Glauben bei der grossen "Mehrheit"
-- der Machtzuwachs und die Erfolge des NS-Regimes imponieren
-- die deutsche Bevölkerung meint, sie lebten in einer "grossen Zeit", v.a. die "junge Generation" im 3.Reich (S.132), und der "Schöpfer" und "Garant" hiess Hitler
-- bei jeder Hitler-Rede wartet man auf einen neuen Erfolg für Deutschland (S.133)
[-- bei jeder Hitler-Rede erwartet die Bevölkerung ein neues Fest].

ab 1936 ca.
Die neuen Kader aus den Universitäten werden Spitzel des NS-Systems
-- geschult durch den Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund NSDStB
-- v.a. Beamte, Ärzte, Studienräte, Rechtsanwälte etc. (S.39).

Frauen sind im Dritten Reich umworben, umschmeichelt, geehrt - NSDAP-Frauen
-- Frauen sollen das Ideal von Mutterschaft, Treue und Dienen verkörpern
-- nur wenig Frauen sind aber in der NSDAP und sind auch "Kämpferin"

-- Frauen in der NSDAP entstammen meist dem Kleinbürgertum, "Dienst an der Parte" ist für sie sozialer Aufstieg und Kompensation , Glaube an den Führer wie an einen Heiland, ohne Lohn, vielleicht ein Blumenstrauss vom Führer (S.325)

-- Organisation von Spenden, Buchhaltung von Beiträgen, Dienststellenbesuche, Familienhilfe (S.325-326)
-- NSDAP-Frauen wollen immer nur "das Beste", schaden niemandem (S.326)

-- NSDAP-Frauen befürworten KZs, denn: Das Gesindel muss von den Strassen, z.B. Gewohnheitsverbrecher, Sittenstrolche, Volksschädlinge, Wucherer, Schieber, die Kriminellen würden zu ehrlicher Arbeit erzogen und Disziplin und Sauberkeit beigebracht, und keinem werde "ein Haar gekrümmt" (S.326).

ab 1936
Hohe Staatsverschuldung des 3.Reichs
muss von Reichswirtschaftsminister Schacht zugelassen werden (S.213).

Verknappungen bei zivilen Verbrauchsgütern
-- nur allmähliche Verknappung möglich, weil Vollbeschäftigung herrscht und viel Geld im Umlauf ist
-- bei Verknappung kommt Inflationsgefahr, ist Indiz der Verknappung (S.235)
-- zunehmendes Verschwinden der gewerblichen Inserate, mehr Anzeigen für Tauschhandel (S.236).

ab 1936
Zwang zu Qualitätsverschlechterungen bei der Textilindustrie
-- der Baumwolle sind 16-20 % Zellwolle beigemischt
-- der Wolle sind 10-30 % Reiss- und Zellwolle beigemischt
-- der Beimischungszwang für Zellwolle und Kunstseide verringert die Lebensdauer und vermindert den Kälteschutz
-- die Kleider wärmen nicht und sind im Nu verschlissen (S.236)

-- die Reaktion der Bevölkerung wird manipuliert durch indirekte Eingeständnisse der Qualitätsverschlechterungen:
oo  Bezeichnung "Reine Wolle" wird verboten
oo  Fabrikanten, die auf mangelnde Waschbarkeit ihrer Produkte hinweisen, werden mit Polizei bedroht

(in: Bracher/Funke/Jacobsen: Nationalsozialistische Diktatur 1933-1945. Eine Bilanz. Düsseldorf 1983)

oo  die ganze Bevölkerung klagt, macht Witze über die Anzüge der Marke "Deutscher Wald", die im Frühling "ausschlagen" und sich im Herbst verfärben

- Verteuerung für Qualität gegenüber 1933 um das Vierfache (z.B. ein Anzug, der nicht kratzt) (S.236).

1936-1939
KdF: Bau eines riesigen Ostseebades auf Rügen: bleibt unvollendet
(S.314).

ab 1936
3.Reich: Bezahlter Urlaub ist üblich, noch kein Gesetz
(S.311)

Ende 1936 ca.
Jeder zweite Handwerker hat ein Haus
somit Förderung des Mittelstandes (S.232).

ab 1936/1937
Hitler lässt die Industrie für den neuen Vierjahresplan entmachten
Die ökonomische Macht ist ausgeschaltet (S.242).

1936-1939
Rückgang der Handwerksbetriebe von 1,65 Mio. auf 1,35 Mio. um 18,2 %
-- gemäss dem Stichwort "Auskämmung", gemeint: Stilllegung "lebensunfähiger" Betriebe
-- Überführen der frei werdenden Arbeitskräfte in die Rüstungsindustrie
-- Folge: verminderter Wettbewerb, wird vom Reichsstand des deutschen Handwerks hingenommen (S.259)
-- der Handwerkerlohn kann mit der Entwicklung des Volkseinkommens nicht schritthalten und rutscht relativ gesehen in die untere Einkommensschicht (S.259).



1937

Neue Baupläne für die Gauhauptstädte
-- Hauptsache: die Architektur muss der Militärparade dienen
-- Entwicklung neuer Pläne für alle Gauhauptstädte:
oo  zentrales Achsenkreuz
oo  Prachtstrasse
oo  grosser Platz mit allen wichtigen Partei- und Staatsbauten (S.197)

-- Verwirklichung der Parteiaufmärsche mittels architektonischen Mitteln überall
-- die immer wiederkehrenden aufmarschierenden Massen sollen zum Attribut der Nazi-Architektur werden und sind fast ebenso ein Stück Architektur des NS-Staats (S.197).

KdF-Luxusdampfer "Wilhelm Gustloff" fertiggestellt
aller Komfort für 1700 Passagiere, Theater, 3 Speisesäle, Sporthalle, Leseraum, Bibliothek, 2 Ärzte, Zahnarzt, 48 Badezimmer, 100 Duschen, 145 Toiletten

Reichsautobahn: Hitler prophezeit, die RAB werde ihn überdauern
und Hitler behält Recht (S.320). Hitler brüstet sich, der Bau koste nichts, weil Arbeitslose beschäftigt würden (S.321).

Neue Rezession in GB und in den "USA"
(S.202). Die gesamte Wirtschaftsentwicklung stagniert bis 1939 (S.203).

[nicht erwähnt: Die Demokratien werden von Hitler und von Stalin gleichzeitig ausgelacht].

Wohnungsnot: öffentliche Investitionen nur 1,3 %
1933 noch 5,8 % (S.227)

Preissenkung für den Volksempfänger (VE) dank Massenproduktion
von 76 auf 59 RM, dabei Teilzahlungssystem von 18 Monatsraten möglich (S.301).

1937
Einrichtung von Adolf-Hitler-Schulen
-- Adolf-Hitler-Schulen sind nationalpolitische Erziehungsanstalten mit erheblich höherem Arbeiterkinder-Anteil als üblich (S.295), von der HJ geführt

-- Aufnahme mit vollendetem 12. Lebensjahr, 6 Klassenstufen

-- aufgenommen werden Jungen, die sich im Jungvolk "hervorragend bewährt" haben und vorgeschlagen werden

-- die Schule ist gratis, am Ende Reifeprüfung, damit steht dem Absolventen jede Laufbahn in der Partei und im Staat offen (S.298), unabhängig von Rang, Stand, Geburt und Reichtum

-- die Adolf-Hitler-Schulen eröffnen Aufstiegschancen, die es zuvor nie gegeben hat

-- diese NS-Eliteschulen behalten Modellcharakter für die Zukunft (S.296)

-- die NS-Gegner sind in Ohnmacht, weil die Gründung dieser Schulen wirklich eine revolutionäre Tat der Gleichberechtigung darstellt, und Hitler hat das erreicht, was die Liberalen immer gefordert haben, dass die oberen Klassen nicht mehr für die oberen Schulen privilegiert werden (S.297).

Mangel:
-- die Auslese wird nur nach "Gläubigkeit", nach Führer-Hörigkeit vorgenommen
-- aber der Anteil der Arbeiterkinder in Adolf-Hitler-Schulen ist nach Kindern aus Beamten- und Angestelltenfamilien mit 19,5 % der drittgrösste Anteil, aus Akademikerfamilien sind nur 2,2 % der Schüler (S.297).

ab Anfang 1937 ca.
Anwachsendes Selbstbewusstsein bei der Arbeiterschaft
Bereitschaft zu Kritik und Protest an den Arbeitsbedingungen und Arbeitszeiten (S.277).

14.3.1937
Kirche: Präsentation der Enzyklika "Mit brennender Sorge" durch Faulhaber - kein Bruch mit dem NS-Regime
-- Stellungnahme gegen die rassistischen Grundlagen des 3.Reiches
-- Stellungnahme gegen die antikirchlichen Massnahmen
-- aber: kein Aufkündigen der Loyalität
-- sondern: Huldigen Hitlers als den von Gott berufenen Führer (S.402).

Sommer 1937
Die Berlin-Feier hebt die Stimmung auf ein Maximum
(?) [Berlins erste urkundliche Erwähnung 1237, In: Berlin; In: dtv-Lexikon 1990 Bd. 2, S.211].

1.7.1937
Widerstand: Niemöller kommt ins Gefängnis
(S.406).

29.7.-30.11.1937
München: Ausstellung "Entartete Kunst"
im Haus der Deutschen Kunst, rund 2 Mio. Besucher: 730 Werke von 112 Künstlern werden dem Spott preisgegeben, u.a. Werke von George Braque, Marc Chagall, Lovis Corinth, Max Ernst, August Macke, Franz Marc, Paul Cézanne, Giorgio de Chirico, Paul Gauguin, Vincent van Gogh, Wassily Kandinsky (S.190), Paul Klee, Oskar Kokoschka, Henri Matisse, Pablo Picasso (S.191).

NS-Kommentar zur "entarteten Kunst" gemäss Karl Korn (geb. 1908) am 21.7.1937 im "Berliner Tageblatt": Die Werke seien Ausdruck von Zerwühltheit, Zerrissenheit, die Freude am Schrecklichen, Rauschhaften, Chaotischen, es sei nicht das echte Dämonische, sondern das "falsche Fratzengebilde" (S.192).

13.9.1937
Proklamation Hitlers zum Reichsparteitag: Auslese im Volk muss fortgesetzt werden
Hitler: Es ist von "höchster Wichtigkeit", den sorgfältigen Ausleseprozess in der Führung der Nation "auf allen Gebieten weiter zu treiben und nicht vor irgendwelchen Widerständen oder Hemmungen formaler Art zu kapitulieren." (S.295)

27.9.1937
Mussolini-Besuch in Berlin mit Theaterdekoration

-- die Stadt ist von Bühnenbildner und Filmarchitekt Benno von Arent theatralisch dekoriert wie an einer Opernaufführung

-- weisse Pylonen [Eingangstore mit Ecktürmen] mit grossen Adlern, Hakenkreuzen, Liktorenbündeln [Dienergruppen], Fahnentürme mit z.T. künstlerisch verknoteten Fahnen in italienischen und deutschen Farben am Brandenburger Tor und am Pariser Platz, Fahnenmeere an der Wilhelmstrasse, Licht aus ungezählten Scheinwerfern, insgesamt eine "Via triumphalis"

-- das Volk reagiert hektisch begeistert, ist aufgeputscht, quasi an einem Theater mitspielen zu können (S.138)
-- internationale Film-, Musik- und Kabarett-Szene in Berlin (S.139), [die "Gute Laune"].

5.11.1937
Hitler kündet Schacht seinen Lebensraum-Krieg bis 1943-1945 an
-- Hitler gibt vor, er müsse die Wehrmacht unterhalten
-- deswegen müsse man den Lebensstandard senken
-- um das Dilemma zu lösen, muss man die "Raumfrage" bis spätestens 1943-1945 lösen (S.215).

Hitlers geheime Motive für den Krieg
-- Hitler fürchtet, er werde bald sterben und könne daher den Krieg nicht mehr selbst führen
-- der Zeitpunkt für Krieg wird deswegen entscheidend nach vorne verlegt (S.215).

26.11.1937
Schacht tritt als Reichswirtschaftsminister zurück
(S.214)

ab 1937
Steigende Rüstungsausgaben, irreparable Staatsverschuldung
Wirtschaftsminister Schacht sieht die Währung gefährdet (S.214).

Ende 1937
Gesetzesänderung zum Ehestandsdarlehen: Aufhebung des Arbeitsverbots für die Frau
-- emporschnellende Anträge auf Ehestandsdarlehen
-- bis 1939 erhalten 42 % der Paare ein Darlehen (S.220).

1937/1938
Schreibverbot für Gottfried Benn
(?)

1937-1944 jeweils 1 Tag vor dem Führer-Geburtstag
Marienburg / Westpreussen: Aufnahme des "Jungvolk" der HJ
Die gesamte Jugend Deutschlands muss zur "Aufnahme" in das "Jungvolk" der HJ nach Marienburg fahren, eine gotische Backstein-Ordensburg von 1274 (S.502).



1938

bis 1938
Hitler hat mit seiner Taktik der Selbstverharmlosung in Europa Erfolg
(S.134)

ab 1938
Aufrüstung spielt erst ab 1938 für die Wirtschaft eine grosse Rolle
(S.208)

1938
Hitlerismus in Deutschland
-- 9/10 aller Deutschen stehen für Hitler ein
-- die Massenarbeitslosigkeit ist beseitigt
-- die Hitler-Diktatur gibt nach aussen ein seriöses Bild ab (S.202)
-- Steigerung der Anzahl der Erwerbstätigen von 1932 bis 1938 um 112 % (S.202).
-- Anstieg des realen Volkseinkommens 1933-1939 um 8,2 % jährlich, der höchste je gemessene Anstieg (ist noch mehr als der Anstieg von 1949-1959 in der BRD) (S.203).

Lohnstop: Vertuschen des Währungszerfalls vor dem Bürger
Verfügung höherer Einkommenssteuern, so dass die Löhne nicht steigen können (S.214).

Geburtenrate: 19,6 Geburten auf 1000 EinwohnerInnen
Erreichen des Niveaus von 1924-1928. Die NS-Propaganda hatte aber weit höhere Geburtenraten erwartet (S.224).

Rate unehelicher Kinder noch 7,6 %
1934 noch 8,5 % (S.225).

3.Reich: Über 50 % der Industrieproduktion ist kartellisiert
(S.257)

1938
Entschuldung der Bauernbetriebe ist abgeschlossen
(S.289-290). Folgen:
-- Hitler gewinnt alle Bauern für sich (S.290)
-- die Autarkie ist 1938/1939 zu 83 % gewährleistet (1927/1928 zu 68 %)
-- Autarkie bei Brotgetreide: mehr als gedeckt
-- Autarkie bei Kartoffeln: abgedeckt
-- Autarkie bei Zucker: abgedeckt
-- Autarkie bei Fleisch: beinahe abgedeckt
-- Autarkie bei Gemüse: beinahe abgedeckt
-- Autarkie bei Fett: zu 50 % abgedeckt (S.291)

1938
Wohnungsnot: öffentliche Investitionen nur 1,2 %
-- 1933 5,8 %, 1937 noch 1,3 % (S.227)
-- es fehlen in den Städten 1,5 Mio. Wohnungen (S.227)
-- die Miete beträgt z.T. bis 1/4 des Lohns
-- die Deutsche Arbeiterfront DAF muss die Wohnungsnot zugeben (S.227).
-- 1939 kostet eine "Heimstätte" 4500-6000 RM, keine grosse Subvention wegen Rüstungsausgaben
-- ab 1939 Angleichen der Etagenwohnungen an den Heimstätten-Stil (S.228).

1938
Lebensmittelknappheit: Fleisch und Fett werden für den Grossteil der Bevölkerung zu teuer
(S.237)

Die Erfindung des Bouillonwürfels
Glücksritter in der Lebensmittelknappheit ist ein Zahnarzt aus Mannheim als Bouillonwürfel-Hersteller
-- Bouillonwürfel aus Salz, etwas Hefe, minderwertiger Rindertalg
-- Absatz v.a. durch Krankenhäuser, Militärküchen, Restaurants, dann auch Privatmarkt (S.237)

-- die Bratlinge derselben Firma nennt der Volksmund "Hermann-Göring-Koteletts", offiziell sind die Bratlinge aus reinstem Fischmehl, aber sie schmecken nach gar nichts und niemand glaubt das
-- das Eipulver derselben Firma wird in Tüten zu 10 Pfennig verkauft, mit angeblichem Nährwert wie 3 Eier

-- der Hersteller wird neben seinem riesigen Umsatz noch staatlich gefördert, denn er hilft dem 3.Reich, Devisen zu sparen (S.238).

1938
Neues Jugendgesetz mit Mindesturlaub
-- Mindesturlaub für Jugendliche unter 16 Jahren: 15 Tage
-- Mindesturlaub für Jugendliche von 16-18 Jahren: 12 Tage
-- Urlaub im HJ-Lager ist empfohlen (S.311).

Mehr als 2/3 der Arbeiter der metallverarbeitenden Industrie hat 7-12 Tage bezahlten Urlaub
noch länger 7,5 % (S.311).

KdF-Luxusdampfer "Robert Ley" fertiggestellt
(S.312).

Schönheit der Arbeit (SdA): Entwurf eines SdA-Reichsgesetzes
aber keine Realisierung (S.306).

Fernsehen: Erstes vollelektronisches Fernsehstudio der Welt in Berlin
angestrebte Entwicklung: ein Fernseh-Volksempfänger (S.303).

21 NAPOLA (Nationalpolitische Erziehungsanstalten)
(S.300)

Hitler lässt die ganze Wehrmacht unterwerfen mit einem Eid auf seinen Namen
(S.242)

1938?
-- die Kapitalzinsen bleiben hoch
-- die Unternehmen profitieren vom Lohnstop und Preisstopp (S.233).

Tabelle: Europäische Arbeitslosenquoten 1938 im Vergleich
Drittes Reich 3,2 % mit Hochkonjunktur
Frankreich 7,8 % mit Rezession
England 12,9 % mit Rezession
"USA" 26,4 % trotz riesiger Arbeitsbeschaffungsprogramme


(S.273)


1938
Umsatz der Warenhäuser: 70,1 % von 1928

Umsatz des gesamten Einzelhandels: 93,7 % von 1928
Verbot neuer Einrichtungen und Erweiterungen der Warenhäuser bis 1945
(S.261).

Gründung des Werks "Glaube und Schönheit" für 17-21 Jahre alte Frauen
-- ist der HJ angegliedert
-- Ausbildung auch in Kosmetik und modernen Gesellschaftstänzen
-- reiten, Tennis, "im müssigen Sonnenbad der Schönheit ihres Körpers huldigen" (S.346).

Umfunktionierung der Reichsberufswettkämpfe RBWK zum "Wettkampf aller schaffenden Deutschen"
ohne Altersgrenze (S.340).

Leni Riefenstahl bekommt für die Olympiafilme den ersten Preis der Venedig-Biennale
(S.127)

Tabelle: Erfolgsautoren im Dritten Reich
Verfasser Titel Auflage
1. Richard Voss (1851-1918) "Zwei Menschen" (1911) 860.000 Exemplare
2. Waldemar Bonsels (1880-1952) "Die Biene Maja und ihre Abenteuer" (1912) 770.000 Ex.
3. Ludwig Ganghofer (1855-1920) "Schloss Hubertus" (1895) 677.000 Ex.
4. Felix Dahn (1834-1912) "Ein Kampf um Rom" (1876) 615.000 Ex.
5. Rudolf Herzog "Die Wiskottens" (1905) 583.000 Ex.
6. Paul Keller (1873-1932) "Die Heimat" (1903) 573.000 Ex.
7. Rudolf G.Binding "Der Opfergang" (1912) 525.000 Ex.
8. Herman Löns (1866-1914) "Der Wehrwolf" 504.000 Ex.
9. Rainer Maria Rilke (1875-1926) "Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke" (1906) 500.000
10. Felicitas Rose (= Rose Felicitas Moersberger) (1862-1938) "Heideschulmeister Uwe Karstens" (1908) 500.000 Ex.
11. Walter Flex (1887-1917) "Der Wanderer zwischen beiden Welten" (1917) 682.000 bis 1940 (S.117)
Tabelle: Rückgang der jüdischen Geschäfte im Dritten Reich

Jahr 1933 Jahr 1938
jüdische Einzelhandelsgeschäfte 50.000 9000
jüdische Ärzte 8000 knapp 3000,
meist für jüdische Patienten
jüdische Juristen 4500 1753
zugelassene jüdische Ärzte als Krankenbehandler für jüdische Klienten
709
zugelassene jüdische Rechtsanwälte als Konsulenten für jüdische Klienten
172

[Über die Auswanderung der Juden, die Schulungen als Vorbereitung auf ein Leben in Israel etc., siehe: Encyclopaedia Judaica, Artikel "Germany"].

[nicht erwähnt:
Herzl-Programm
Gemäss dem Israel-Programm von Theodoer Herzl "Der Judenstaat" soll die Auswanderung gefördert werden und gleichzeitig die Anzahl jüdischer Geschäfte in Europa abnehmen. Jüdische Organisationen haben z.T. mit Hitler für die jüdische Auswanderung nach Palästina kooperiert, weil die Demokratien Frankreich und England wegen dem Erdöl nie eine Lösung für eine Israel-Gründung gesucht haben bzw. jeglichen Lösungsansatz verboten haben.

Dabei ist zu berücksichtigen, dass Hitler den Nahen Osten in einem Krieg wieder in seine Gewalt hätte bringen wollen. Die Auswanderung mit Kapitaltransfers ist also nur vorgespielt].

ab Anfang 1938 ca.
Proteste bei der Arbeiterschaft gegen zu hohe Arbeitsbelastung
-- gegen Überstunden
-- gegen Nachtschichten (S.277).

Passive Proteste etablieren sich in der deutschen Bevölkerung durch zunehmende
-- Feierschichten
-- Krankfeiern
-- Bummelei (S.277).

-- die ArbeiterInnen nutzen ihre verbesserte Situation auf dem Arbeitsmarkt aus
-- es entwickelt sich so etwas wie "Tarifpolitik auf eigene Faust"
-- Nachlassen der Arbeitsdisziplin aus normalem Alltagsverhalten
-- keine unterschwellige Verweigerung der Kooperation
-- kein umstürzlerisches Gedankengut vorhanden, trotz aller Systemfehler, weil es der Gesamtbevölkerung noch nie so gut gegangen ist (S.277).

15.2.1938
Anordnung für ein hauswirtschaftliches Pflichtjahr für Mädchen
(S.330): ist ein "hauswirtschaftliches Jahr" für Mädchen unter 25.
Folge:
-- Entlastung des Arbeitsmarktes, gleichzeitig:
-- oft Entlastung von Bäuerinnen (S.331).

2.3.1938
Widerstand: Niemöller kommt in Prominenten-KZs Sachsenhausen und Dachau
(S.406)

10.-13.3.1938
Österreich-Anschluss unter Hitlers Truppen
(S.394) [mit Erprobung erster Feldzugsoperationen mit neuen Geräten und Fahrzeugen].

13.3.1938
Proklamation Grossdeutschlands und Anschluss Österreichs -
Hitler wird für die Deutschen zum Halbgott
-- Blumenmeer, Freudentränen
-- Wien: fanatischer Judenhass und Judenverfolgung nach dem "Anschluss", erschreckt sogar die Gestapo (S.154)
-- NS-Gegner Gerd Bucerius:

"Dass der Anschluss ein Anschluss an ein Zuchthaus war, das sahen die Menschen nicht; für 99 % der Bürger war es auch keins", in "Die Zeit", Hamburg 15.3.1985 (S.153)

-- Hitler geniesst das grösste Mass an Zustimmung durch die Versailles-Korrekturen (S.153)
-- Österreich wird zur Ostmark Grossdeutschlands
-- jüdische Familien in Österreich leben in Angst, Schmerz, Leid, viele Selbstmorde, wer kann, geht ins Ausland
-- das Bewusstsein der deutschen Bevölkerung nimmt von der Judenverfolgung kaum mehr Kenntnis, Hitler ist ihr Halbgott (S.154).

-- viele Sozialdemokraten sagen Ja zum Anschluss, z.B. der spätere Bundespräsident Theodor Körner (1875-1957), Karl Renner (1870-1950)
-- Ja-Stimmen zum Anschluss aus dem Exil: Friedrich Alder (1879-1960), Otto Bauer (1881-1938) (S.397).

Österreich-Anschluss unter Hitlers Truppen
(S.394) [mit Erprobung erster Feldzugsoperationen mit neuen Geräten und Fahrzeugen].

ab 13.3.1938
Österreich: kaum Widerstand gegen das NS-Regime
Die österreichische Bevölkerung denkt sehr opportunistisch nach dem gefeierten Anschluss, kaum Widerstand gegen das NS-Regime (373).

Anschluss: Wien wird zweite Hauptstadt Grossdeutschlands
(S.521)

Anschluss Österreichs: Judenverfolgung
In Wien leben 10 % Juden. Sie werden zum Freiwild der SA, sadistische Erniedrigung, Ausbeutung, blanker Terror (Studie des österreichischen Zeithistorikers Hans Safrian und Hans Witek):

-- "Reibeaktionen" durch die Strassen, Ausrauben von Geschäften, Besetzen fremder Wohnungen (S.386), Ausschreitungen gegen Juden auf eigene Faust

-- Motto: jeder, der eine Hakenkreuzbinde trägt, hat das Recht, Juden zu verfolgen, z.T. jenseits jeder Vorschrift auch für die NS-Machthaber

-- Reklamationen beim Gauleiter Josef Bürckel durch ältere NSDAP-Mitglieder mit Namensnennung
-- Motive der Ausschreitungen: schlagartige "Arisierung" von Geschäften
-- die Vorkommnisse in Wien haben Modellcharakter für spätere Ereignisse (S.387).

28.3.1938
Hitler bejubelt die Überwindung von Bürgertum und Proletariat
Hitler:
"Bürgertum und Proletariat sind beide auf der Strecke geblieben, und Sieger ist die deutsche Nation." (S.335)

10.4.1938
Abstimmung über den Anschluss Österreichs und die Errichtung "Grossdeutschlands"
(S.394)
-- Hitler erfüllt Österreichern und Deutschen den Traum des Grossreichs (S.394) [dieser Traum wurde sei 1871 geträumt, in Österreich auch gegen die osteuropäischen Bevölkerungen und gegen den Kaiser gerichtet]
-- Abstimmung im "Altreich": 99,02 % Ja
-- Abstimmung in Österreich: 99,73 % Ja (S.394)

ab April 1938
Expansion der Deutschen Bank, Dresdner Bank und Commerzbank in Österreich
-- mit Beteiligungen und Unterbeteiligungen
-- enge Tuchfühlung mit der SS, Dresdner Bank mit Beinamen "SS-Bank" (S.243)

April 1938
Reichsaktion "Arbeitsscheu"
-- ist eine populäre Massnahme
-- die Gestapo lässt gemäss Listen der Fürsorge- und Arbeitsämter "asoziale und arbeitsscheue Personen" ins KZ bringen zu Zwangsarbeit
-- Verfehmung der Betroffenen als "Parasiten der Gemeinschaft"
-- Wirkung: die Arbeitsbereitschaft beim überwiegenden Rest dieses Personenkreises nimmt zu (S.178).

April 1938 ca.
Schuschnigg bietet aus der Haft Hitler seine "Dienste" an
denn Hitler habe das vollendet, was Bismarck begonnen habe (S.154).

30.4.1938
Jugendschutzgesetz
-- alle Jugendlichen sollen zu körperlich und seelisch gesunden Volksgenossen erzogen werden
-- Schutz und Förderung, um ihre Leistungsfähigkeit zu steigern
-- Ausdehnen des Jugendschutzes von 16 auf 18 Jahre
-- Verbringen des Mindesturlaubs in Lagern
-- keine Änderungen in der Jugendfürsorge (S.357)
-- Entwurf eines Jugendwohlfahrtsgesetzes, das aber nicht mehr realisiert wird, darin wird das Ziel der Erziehung formuliert:

"Ziel der Erziehung ist der körperlich und seelisch gesunde, sittlich gefestigte, geistig entwickelte, beruflich tüchtige deutsche Mensch, der rassebewusst in Blut und Boden wurzelt und, getragen von den lebendigen Kräften des Christentums, Volk und Staat verpflichtet und verbunden ist." (S.358)

Jugendfürsorge
Unterscheidung von drei Kategorien von Jugendlichen, die in der Fürsorge landen:

a) gute Elemente: erbgesund, normal begabt, eingliederungsfähig, untergebracht in NSV-Jugendheimstätten

b) halbgute Elemente: Fürsorge-Erziehung gemäss Reichsjugendwohlfahrtsgesetz 1922: Diese Jugendlichen können sterilisiert werden

c) böse Elemente: Fälle, die als schwersterziehbar gelten, ab 1940: in Polizei-Jugendschutzlagern untergebracht, nach der Volljährigkeit im Arbeitshaus oder im KZ (S.358).

26.5.1938
VW als "KdF"-Wagen - Porsche macht Karriere
-- Hitler tauft den "Volkswagen" VW als "KdF"-Wagen
-- Porsche wird Geschäftsführer der "Volkswagen GmbH", des jetzt grössten deutschen Autowerkes
-- Porsche erhält 1938 den "Deutschen Nationalpreis für Kunst und Wissenschaft" (= der NS-Ersatz für den Nobelpreis)
-- Hitler benutzt den VW, um für das NS-Regime im Ausland zu werben (S.318).

Sommer 1938
Ernüchterung in Österreich über den Anschluss
-- Ändern von Namen und Auslöschen von Traditionen
-- neue Gliederung in sieben Reichsgaue
-- harte NS-Praxis (S.397).

Sommer 1938
Sudetenkrise
-- drohender Krieg mit den Westmächten wegen Anschlussforderung Hitlers (S.154)
-- die Radiosender der deutschen Bevölkerung sind v.a. BBC London und Radio Beromünster, da der deutsche Rundfunk mangelhaft unterrichtet (S.302)

25.6.1938/13.2.1939
Verordnungen: Militarisierung des Arbeitsmarkts wegen Dienstverpflichtung
(S.276)

6.7.1938
Definition neuer Scheidungsgründe
Formalisieren der Gründe "Zerrüttung" nach 3 Jahren Trennung, "Untreue" und "verfrühte Unfruchtbarkeit". (S.221)

Scheidungen mehren sich nach dem neuen Scheidungsrecht, 1939 fast 62.000 Scheidungen (1933-1938 jährlich 43.000-50.000), viele aufgrund der neuen Definition der Zerrüttung bei Ehen, die vor 20 und mehr Jahren geschlossen wurden (S.221).

Der Kriegssituation gemäss werden ab 1939 geschiedene Frauen dem Arbeitsmarkt zugewiesen (S.222).

5.9.1938
VW: Hitler will mit dem VW das Velo abschaffen
Hitler zu seinem Heeres-Adjutanten Gerhard Engel:
-- der VW soll dem Arbeiter das Fahrrad ersetzen
-- er will noch erleben, dass jeder Facharbeiter seinen Volkswagen hat (S.318).

6.9.1938
Hohn zum Reichsparteitag: Die Demokratien zeichnen sich aus durch Arbeitslosigkeit

Hitlers Proklamation:
"Wenn man in anderen Staaten darin (Arbeitskräftemangel im Dritten Reich, HJE) nun das ersehnte Zeichen einer damit eben doch noch vorhandenen wirtschaftlichen Schwäche des Dritten Reiches erblicken will, so können wir gerne bei uns diese Schwäche des Fehlens von Arbeitskräften ertragen und den Demokratien die Stärke der Arbeitslosigkeit überlassen." (S.273)

27.9.1938
Kriegsdrohungen Hitlers gegen die Tschechoslowakei
(S.154)

Plan zum Sturz Hitlers in Offizierskreisen
Ein Kern politisch oppositioneller Militärs will Hitler stürzen, falls dieser einen Krieg vom Zaun bricht, ihn verhaften und vor Gericht stellen (S.415).

28.9.1938
Erfolgloser Propagandamarsch für Krieg:  Panzerkolonnen und  motorisierte Verbände demonstrieren durch Berlin
(S.154). Reaktion der Bevölkerung:
-- versteinerte Gesichter in der Bevölkerung
-- Hitlers Reaktion auf die versteinerten Gesichter: Er verbietet der deutschen Presse, über diese Truppendurchfahrt in Berlin zu berichten
-- Hitler ist tief enttäuscht, dass keine Spur von Kriegsbegeisterung im Volk vorhanden ist (S.155).

29./30.9.1938
Europa nach der Konferenz von München: Versailles von 1919 ist Geschichte
-- die Versailler Friedensordnung ist territorial zerfetzt
-- die Situation ist der krönende Abschluss alter grossdeutscher Sehnsüchte und Hoffnungen
-- Hitler wollte eigentlich Krieg, Mussolini hat Hitler bremsen können und "vermitteln" können
-- Hitler steht vor dem deutschen Volk als "Friedenskanzler" da und wird gefeiert, obwohl er den Frieden gar nicht will (S.135).

Oktober 1938
Sudeten-Anschluss nach der Münchner Sudetenkonferenz
-- Chamberlain, Daladier und Mussolini werden als "Retter des Friedens" gefeiert
-- das deutsche Volk vertraut Hitler total, er gilt als unfehlbar
-- Hitler ist verdrossen darüber, dass es nicht zum Krieg kommt (S.155).

Die oppositionellen Offiziere haben keinen Grund, Hitler festzunehmen
Der friedliche Ausgang der Sudetenkrise lässt einen Staatsstreich des Heeres nicht zu
-- die Massen sind von Hitler begeistert, obwohl Hitler eigentlich Krieg wollte und der "Friede" Mussolini und Chamberlain zu verdanken ist
-- die Widerständler im Heer sind gescheitert, emotionelle Krise, Ausbreiten von Desinteresse, Rückzug ins Privatleben
-- die ganze Welt anerkennt Hitlers "Grösse" (S.415).

Oktober 1938
Der Widerstand im 3.Reich fällt in sich zusammen
-- nach der "friedlichen" Lösung der Sudetenkrise gibt es vordergründig keinen Anlass mehr zu Widerstand gegen das Hitler-Regime
-- niemand will sich mehr um Politik kümmern (S.415).

ab Oktober 1938
Sudetenland: Sudetendeutsche sind die "Treuesten der Getreuen" zu Hitler
so Bruno Kreisky, Bundeskanzler Österreichs 1989 (S.534).

8.11.1938
Hitlers Prinzipien vor den "Alten Kämpfern"
-- er ist nach den Regeln der parlamentarischen Demokratie Kanzler geworden
-- er war damals Führer der weitaus stärksten Partei
-- er sei nicht Staatsoberhaupt im Sinne eines Diktators oder eines Monarchen, sondern ein deutscher Volksführer (S.168).

Einschätzung: Nur vielleicht 5 % der Deutschen würden diesen Thesen Hitlers zu diesem Zeitpunkt widersprechen (S.168).

9.11.1938
[Mord des Juden Grynspan an einem Botschaftsbeamten in Paris] - Pogrom [der SA] gegen jüdische Geschäfte
Die "Entjudung" der deutschen Wirtschaft wird abgeschlossen, das restliche jüdische Vermögen enteignet (S.380) [Dies stimmt so pauschal nicht].

Das Pogrom zerstört alle Hoffnungen auf weitere jüdische Existenz-Chancen in Deutschland:

-- die Bevölkerung leistet keine spontane Zustimmung, ist verschüchtert, schockiert, teilweise offen angewidert

-- die Jugend (BdM, HJ) empfindet keine Scham vor brennenden Synagogen und umgeworfenen Grabsteinen, denn für sie ist die antisemitische Einstellung "Normalität"

-- z.T. erfolgen Diebstähle aus jüdischen Geschäften mit zerbrochenen Schaufenstern

-- Opportunisten im deutschen Volk sagen: Solange ich kusche und das Maul halte, kann mir nicht viel passieren; abgeholt werde nur die andern... (S.381)

-- die Gewalt der Zerstörung von Hab und Gut wird im Innern nicht toleriert

-- viele Deutsche, auch Nazis, kommen zu Ex-Reichskanzler Brüning, um zu bezeugen, wie sie sich schämen (S.382).

Die Kirchen in Deutschland äussern keine öffentlichen kirchlichen Proteste... (S.403).

10.11.1938
Hitler-Geheimrede vor 400 Journalisten: Abkehr von der Friedenspolitik
-- Hitler verkündet die Abkehr von der Friedenspolitik
-- Hitler erklärt sein Täuschungsmanöver der Friedensphrasen und die Irreführung des Auslands
-- Hitler erklärt die geheime Aufrüstung
-- Hitler: "... Die Umstände haben mich gezwungen, jahrzehntelang fast nur vom Frieden zu reden." (S.134)

[nicht erwähnt: Hitler eifert dem weltweiten Vorbild Japan und Stalin nach, die bisher ungestraft Terror und Expansion betreiben].

25.11.1938
Pogrome gegen Eigentum sind in der Bevölkerung nicht willkommen
-- Meldung der Gendarmerie-Station Waischenfeld/Bayern
-- "Von der Mehrzahl der Bevölkerung" werde kein Verständnis dafür aufgebracht, "dass man ohne weiteres fremdes Eigentum zerstören darf." (S.382)
-- eine Mehrheit der Bevölkerung missbilligt stillschweigend das Pogrom (S.381).

21.12.1938
Hebammengesetz gegen Frühgeburten und Kindersterblichkeit
Jede deutsche Frau hat das Recht auf Beistand einer Hebamme, jede schwangere deutsche Frau hat die Pflicht, prompt eine Hebamme zu rufen (S.223).

bis Ende 1938
65 jüdische Zeitungen und Zeitschriften
-- vermitteln jüdische Erziehung
-- vermitteln jüdische Kulturarbeit
-- vermitteln Emigrationsvorbereitung (S.380).

Ende 1938
Hitler ist "Mann des Jahres" von "Time"
(S.155)

Warner warnen vor Hitler als einem zweiten Napoleon
-- denn Napoleon habe auch gegen einzelne Armeen gewonnen, dann aber gegen eine europäische Gesamtkoalition verloren (S.135-136)
-- die Warner werden als "Miesmacher" ignoriert (S.136).

HJ hat 8,7 Mio. Mitglieder
nach Eingliederung der Jugendverbände Österreichs und des Sudetenlandes (S.346).

Erst jetzt realisiert Schacht, dass der Sinn von Hitlers Aufrüstung Krieg ist
Schacht ist weiterhin gegen die NS-Kirchen- und Judenpolitik (S.214).

1938/1939
-- Steigerung der Zahl der Beschäftigten um 55,2 %
-- es herrscht Arbeitskräftemangel, 1 Mio. Stellen sind unbesetzt (S.273).

Eitner: Wenn Hitler 1938/1939 gestorben wäre: Gedankenspiel
-- Nachfolger wäre gemäss Geheimgesetz vom 19.12.1934 nach einigem Streit Hermann Göring geworden
-- der SS-Apparat hätte sich weiter emanzipiert
-- die NSDAP wäre weiter erstarrt
-- die Wehrmacht hätte mehr Bewegungsfreiheit gewonnen
-- die Korruption wäre ins unermessliche gestiegen, denn Göring selbst war auch korrupt
-- an der Sozial- und Wirtschaftsverfassung hätte es keine Änderungen gegeben (S.157)

-- aussenpolitisch wäre Deutschland Hegemonialmacht in Europa geworden, absolut unangefochten
-- vielleicht wären die Beziehungen zu England verbessert worden
-- Göring hätte keinen Krieg gemacht
-- die Diktatur wäre weitergeführt worden
-- die Juden wären weiterhin verfolgt worden und zur Auswanderung unter Schirmherrschaft der SS gedrängt worden, aber wahrscheinlich ohne Judenvernichtung (S.158)

[nicht erwähnt: Stalin hätte vielleicht versucht, die Hegemonialmacht über Europa zu gewinnen].

ab 1938
Kirche: Eid auf Hitler wird für alle Pastoren Pflicht
(S.406)

[nicht erwähnt:
Die Kirche ist nicht fähig, die Judenverfolgung aufzuheben. Feige stehen die Kirchen bis auf einige Ausnahmen Hitler zur Seite. Siehe: Kahl].

ab Ende 1938
Die Diskussion um Krieg im 3.Reich
-- es erfolgt eine planmässige allmähliche Mobilmachung für den Krieg
-- zunächst allmählich und indirekt mit psychologischer Manipulation (S.134).

Die innenpolitischen Gegner Hitlers haben kaum Boden
-- die Demokratien der Welt haben ihren Ruf durch Versagen gegenüber den Gewaltmächten verspielt
-- die Kriegsabsichten Hitlers werden erst jetzt diskutiert (S.135), Warnungen verhallen ungehört (S.133) [und v.a. ohne konsequente Taten in der Verwaltung und in den Führungsstäben]

-- viele Hitler-AnhängerInnen trauen Hitler dennoch grössere Einsicht in erfolgreiche Aussenpolitik zu
-- die Mehrheit der Bevölkerung im 3.Reich denkt, ein Krieg sei undenkbar, die wenigen Warner werden als "Miesmacher" ignoriert

-- die Skeptiker in Deutschland sagen voraus, dass Hitlers Erfolgsserie zwangsläufig zur Kriegs-Katastrophe führen muss, denn nach grandiosen Siegen müssen furchtbare Niederlagen unvermeidlich sein

-- die Skeptiker vergleichen Hitler mit dem Aufstieg und Niedergang Napoleons (S.135)

1938/1939
Ernährungsvorbereitung für den Krieg
-- die Agrar-Selbstversorgung ist zu 83 % erreicht
-- Autarkie existiert bei Brotgetreide, Kartoffeln, Zucker
-- beinahe Autarkie existiert bei Gemüse und Fleisch
-- bei Fett existiert nur zu 50 % Selbstversorgung (S.433).

ab 1938 ca.
Reichsarbeitsdienst RAD als militärischer Hilfsdienst
-- die Bedingungen sind bei den Betroffenen allgemein akzeptiert durch "Gewöhnung"
-- Verbinden des RAD mit Länderaustausch

-- langfristig werden traditionelle gesellschaftliche Blockaden aufgelöst (S.328): Standesdünkel wird überwunden, Handarbeiten werden geachtet, Kameradschaft und Pflichtgefühl im Sinne der NS-Volksgemeinschaft (S.329)

-- der RAD leistet militärische Hilfsdienste (z.B. Westwallbau) (S.330)
-- Frauen im RAD: bis 1939 300.000: leisten Landhilfe, Haushalthilfe oder Krankenhaushilfe (S.330).



 1939

[Hitlers Party mit der Mehrheit der Bevölkerung]

bis 1939
Deutschland: grösste Motorraddichte der Welt: 23,8 auf 1000
dafür weniger Autos als in anderen Staaten. Es wird projektiert, dass 1940 10.000 VW im Reich rollen sollen (S.318).

Reichsautobahn RAB: Bau von 3065 km Strecke
1689 km sind im Bau, mit Einbezug von "Landschaftsarchitekten" (S.320):

1939
Reinhard Höhn, Staatsrechtler, wird Direktor des Instituts für Staatsforschung der Universität Berlin. Das Institut steht der SS nahe (S.170).

Die Rate unehelicher Kinder: 7,7 %
bleibt praktisch stabil, 1938 7,6 % (S.225).

Funktionärsposten der NSDAP
41 Gauleiter für 36 Länder und Provinzen
808 Kreisleiter
1052 Stadt- und Landkreise
28.376 Orts (S.164) Gruppenleiter für 79'375 Gemeinden
89.378 Zellenleiter
463.048 Blockleiter (S.165)

Typen: alle Schattierungen:
-- Fanatiker
-- Idealisten
-- Faulpelze
-- Schwerarbeiter
-- Korrupte
-- Anständige
-- z.T. "kleine Hitlers" (S.165)

1939
Neues Radio: der "Deutsche Kleinempfänger" (DKE 38) für 35 RM
ist das billigste Radio der Welt
-- Abzahlung in 15 Monatsraten möglich
-- kostet etwas mehr als ein Durchschnittswochenlohn
-- 1939 haben  ca. 70 % der Haushalte ein Radio, ist die dichteste Rundfunkversorgung der Welt
-- die Radiodichte ist Teil er Kriegsvorbereitung (S.301).

Ausländisches Radio in deutschen Stuben wird Alltag
Das Reichspropagandaministerium unter Goebbels bleibt in Wut vorerst ohnmächtig (S.302).

Erster Fernsehvolksempfänger: die erste Rechteckbildröhre der Welt
Bildgrösse 20 mal 23 cm, Preis 650 RM. Hitler schenkt seiner Freundin Eva Braun demonstrativ einen Fernsehvolksempfänger (S.303).

Berlin ist das Luftkreuz Kontinental-Europas
-- 4,34 Mio. EinwohnerInnen
-- politisches, wirtschaftliches, wissenschaftliches und kulturelle Zentrum Deutschlands (S.447)

"Ehrenkreuz der deutschen Mutter" als Anreiz zur mehr Geburten
Inschrift: "Das Kind adelt die Mutter"
-- beim 4. oder 5. Kind in Bronze
-- beim 6./7. Kind in Silber
-- ab dem 8. Kind in Gold (S.224).

Einschränkungen: Das Mutterkreuz erhalten nur "würdige, deutschblütige, erbtüchtige" Mütter, nicht Mütter "asozialer Grossfamilien." (S.224).

Die HJ ist verpflichtet, Trägerinnen des Mutterkreuzes zu grüssen (S.224).

1939
46,6 % der Bevölkerung im 3.Reich sind verheiratet
Deutschland verzeichnet die meisten Heiraten von ganz Europa (S.218).


[Hitlers Deutschland ist auch Entwicklungsland]

Mechanisierung der Landwirtschaft gelingt nur zu  ca. 1/3
- 2/3 der Bauern Deutschlands sähen noch von Hand
- oft arbeiten die Bauern noch mit Pferd und Ochse ohne Traktoren (S.290)
- bis 1945 kommt es in der Führung des Reichsnährstands RNSt kaum zu Änderungen (S.291).

[Vorgreifend:
Die mangelnde Mechanisierung ist 1945 in Ostpreussen ein Vorteil, denn die Pferde der Flüchtlingstrecks brauchen keinen Treibstoff].

Forderungen der Arbeiterschaft
-- Redefreiheit
-- wahrheitsgetreue Berichterstattung
-- höhere Reallöhne
-- unbeschränkter Arbeitsmarkt
-- weniger Abgaben für NS-Organisationen
-- kein Krieg (S.277).

Hitler will ein Regierungsviertel bauen
-- es muss wie eine Festung verteidigt werden können
-- er bekommt Angst vor der Arbeiterschaft (S.278).

Ausländisches Radio in deutschen Stuben wird Alltag
Das Reichspropagandaministerium unter Goebbels bleibt in Wut vorerst ohnmächtig (S.302).

Erster Fernsehvolksempfänger: die erste Rechteckbildröhre der Welt
Bildgrösse 20 mal 23 cm, Preis 650 RM. Hitler schenkt seiner Freundin Eva Braun demonstrativ einen Fernsehvolksempfänger (S.303).

3.Reich: Urlaub wird Gewohnheitsrecht
Das 3.Reich hat die grosszügigste Urlaubsregelung weltweit (S.311).

KdF: besitzt 12 Luxusdampfer
(S.312).

Mitglieder bei der NS-Wohlfahrt NSV: 11,9 Mio.
- 1,25 Mio. freiwillige Helfer
- die NSV ist nach der DAF die zweitgrösste Massenorganisation und die grösste Organisation für Volksfürsorge, die es in Deutschland und in der Welt je gegeben hat (S.322).

Hitler schenkt seiner Freundin Eva Braun einen VW-Prototyp
(S.318)

Reichsberufswettkämpfe RBWK: 3,5 Mio. WettkampfteilnehmerInnen
650.000 Personen als Organisatoren und Kampfrichter engagiert (S.340).

SS: 240.000 Mann mit 14.000 Führern
-- jeder 14. ist ein Akademiker
-- jeder Zwölfte ist ohne NSDAP-Mitgliedschaft

-- jeder Elfte kommt aus dem Adel: Eitner: "Kaum ein erlauchter Name preussisch-deutscher Militärgeschichte fehlt" (S.365)

-- die SS wird von Hitler missbraucht, Verbrechen zu begehen im Namen staatspolitischer "Notwendigkeit" (S.367)

90 % der SS-"Kampfzeit"-Veteranen (Freicorpszeit) sind bereits im Ruhestand (S.364).

[Hitlers Terror-Land]

Hitlers Kriegstaktik: Blitzkriege
-- Hitler plant keinen "totalen Krieg", sondern kurze Blitzfeldzüge mit materieller Überlegenheit und tadelloser Organisation
-- Hitler braucht keine Generalmobilmachung, keine Umstellung von Friedens- auf Kriegswirtschaft
-- die Unterhaltung der Bevölkerung geht weiter, ist sogar planmässige Ablenkung während des Blitzkriegs
-- Hitler will sich die Volksgunst erhalten, indem er die Gesellschaft so lange wie möglich nicht auf Kriegswirtschaft umstellt
-- anders England: England stellt bei Kriegsbeginn gleich auf Kriegswirtschaft um (S.449-450).

1939-1942
Die überaus Hitler-loyalen Industriellen im 2.Weltkrieg
-- Hitlers Grundsatz am 1.9.1939: niemand solle am Krieg verdienen:

"Wer aber glaubt, sich in diesen schicksalshaften Monaten oder Jahren bereichern zu müssen, erwirbt kein Vermögen, sondern holt sich den Tod."

-- das Gegenteil ist der Fall: Es erfolgt eine regelrechte Gewinnexplosion bei Banken und Industrie, nachweislich durch die Körperschaftssteuer (Einkommenssteuer der juristischen Personen):

Tabelle: Steuersätze im Dritten Reich
bis 1940/1941 30  %
1941/1942 37,5  %
ab 1942/1943 48,75  %

(S.245)

Tabelle: Wachstum der Körperschaftssteuer der deutschen Firmen im Dritten Reich
(1938/1939: Index 100)

ohne Berücksichtigung der Steuer mit Berücksichtigung der Steuer
1938/1939 100 100
1939/1940 134 134
1940/1941 144 144
1941/1942 211 168
1942/1943 288 174
1943/1944 275 170


(S.245)

-- die Grossindustriellen leisten Hitlers Plänen Hilfe für die Weltmachtstellung Deutschlands auf dem Kontinent
-- weitere Unterstützung kommt durch die Wehrmachtführung, Ministerialbürokratie, Grossindustrie und Grossbanken (S.244)

-- Strategie bei Eroberungen: z.T.: Plünderung der Wirtschaft des besetzten Europa

-- andererseits: Zwangsverwaltung oder Eigentumsübertragung; dadurch passiert die "Integration" der fremden Industrie ins 3.Reich, mit so genannter "Kapitalverflechtung" mit Mehrheit der deutschen Beteiligung 51 Prozent

-- während des Krieges werden die Beteiligungen, Bodenschätze, Ländereien und Fabriken usw. neu verteilt

[nicht erwähnt: Das Ausland wird grosszügig mit Arisierungen bedient...]

-- Wirtschaftsführer und NS-Grossraumideologen planen gemeinsam unter dem Stichwort "Friedensplanung" und "Neuordnung Europas" ihre Kriegsziele: ein Grosswirtschaftsraum "Europa" unter deutscher Führung

-- Planung der Ausbeutung der UdSSR: Russland soll das "deutsche Indien" werden

-- russische Rohstoff- und Energiequellen sollen Deutschland so stärken, um "Amerika" zu überholen (S.244).

-- Auschwitz: KZ-Häftlinge müssen ein Chemiewerk der IG-Farben bauen und sich dabei zu Tode schuften (S.244)

-- die Wirtschaft im Dritten Reich bleibt z.T. sehr frei, trotz verschärfter Wirtschaftslenkung sind Freiräume vorhanden

-- die Industriellen gehen freiwillig über die geforderten Anpassungen hinaus mit Arisierung und Zwangsarbeit (S.245).

-- die deutschen Industriellen und Banken halten Verbindungen mit dem Ausland, was während des ganzen Krieges nur Insidern bekannt ist:
oo  Geschäftsbeziehungen mit den "USA" und mit Grossbritannien über neutrale Länder und Strohmänner
oo  die zahlreichen Verbindungen gehen bis in die ausländischen Geheimdienste (S.250).

Kaum Widerstand der deutschen Industriellen gegen Hitlers Krieg
Mit den Widerstandbewegungen haben die deutschen Industriellen kaum Kontakt. Der Kreis der Industrie-Opposition ist meist sehr schwach:
z.B. die Gruppe um den Grossindustriellen und Konzernbegründer Robert Bosch (1861-1942), Vorsitzender der Robert Bosch GmbH, der bewusst dem Korps der Wehrwirtschaftsführer fernbleibt. Mitglieder dieser Gruppe:

-- Tilo Freiherr von Wilmowsky (1876-1966), Schwager von Krupp, Mitglied im Aufsichtsrat der Fried. Krupp AG/OHG und Präsident des Mitteleuropäischen Wirtschaftstages
-- Ewald Loeser (1887-1970), Krupp-Direktor
-- Albert Vögler (1877-1945), Aufsichtsratsvorsitzender der Vereinigten Stahlwerke AG
-- Hermann von Siemens (1885-1986)
-- Hermann Bücher (1882-1951), Generaldirektor des AEG-Konzerns
-- Paul Reusch (1868-1956), Generaldirektor des Haniel-Konzerns, erzwungener Rücktritt 1942 durch das NS-Regime (S.248).

Politische Einstellung des industriellen "Widerstandes": nur Krieg gegen die Sowjetunion
-- Befürworten eines Waffenstillstands im Westen ("Westkonzeption")
-- Befürwortung der Weiterführung des Krieges gegen die Sowjetunion (S.248)
-- die Industriellen gehen aber nie kompromittierende Verpflichtungen ein
-- die Industriellen planen auch schon realistische Programme für die Zeit nach einer Niederlage (S.249).

ab 1939
Industrieller Schulte übermittelt dem Ausland Hitlers Kriegskurs
Sonderling Eduard Schulte (1891-1966), Generaldirektor des Giesche-Konzerns in Breslau, übermittelt ab 1939 Informationen über Hitlers Kriegskurs an ausländische Kontaktleute (S.248).

20.1.1939
Entlassung von Schacht als Reichsbankpräsident
(S.214);
-- Schacht bleibt Minister ohne Geschäftsbereich bis 1944 (Schacht, dtv-Lexikon 1990)
-- Schacht war Garant des "deutschen Finanzwunders". Hitler brauchte ihn bis vor dem Krieg. Dann macht Hitler Inflations- und Kriegspolitik (S.214).

[nicht erwähnt:
Schweizer Banken helfen dem Dritten Reich über den Engpass, bis die Schweiz nach dem Frankreichfeldzug 1940 selbst von NS-Truppen eingeschlossen ist und dem 3. Reich jeden Kredit gewähren muss].

30.1.1939
Hitler bejubelt die Erziehung zur "Volksgemeinschaft"
"Der Nationalsozialismus ... stellt in seiner Volksgemeinschaft ein zeitloses Ziel auf, das nur durch fortgesetzte und dauernde Erziehung angestrebt, erreicht und erhalten werden kann." (S.335)

[bei Ausgrenzung von all denjenigen, die nicht zum "Volk" gehören sollen]

Hitler sieht sich als "Volksvater" der "Volksgemeinschaft". Die Bausteine:
-- Haushaltjahr für höhere Töchter
-- Reichsarbeitsdienst für die verweichlichten Bürgersöhne
-- die Wehrpflicht als "Schule der Nation"
-- der "kurze Prozess" für Kriminelle aller Art
-- das Ausmisten "entarteter Kunst" aus den Museen
-- die Belohnung: der Goldmedaillensegen der Olympiade 1936 (S.335).

Erziehung zur "Volksgemeinschaft"
-- potentielle Konflikte werden durch "Integration der Gesellschaft" entschärft (S.335)
-- soziale Konflikte werden zu vermeiden versucht mit Verdrängung oder Stilllegung bzw. Betäubung
-- Sammlungsruf: "Ein Volk, ein Reich, ein Führer" (S.336).

13.2.1939
Verordnung: Militarisierung des Arbeitsmarkts wegen Dienstverpflichtung auf unbeschränkte Dauer
Arbeit wird zur Arbeit von "besonderer staatspolitischer Bedeutung" (S.276).

Frühjahr 1939
Ca. 90  % der deutschen Bevölkerung stehen "treu" hinter Hitler
-- das Volk identifiziert sich mit seinem Führer ungeachtet gewisser Mängel, schätzungsweise 90 %
-- Deutschland in dieser Form ist die Vollendung einer Art Revolution gegen Versailles und gegen demokratische "Experimente" am Volk

-- die Verschmelzung zwischen Hitler und der deutschen Bevölkerung ist total (S.156)
-- das Volk wird z.T. wundergläubig, wird wie eine Kinderschar, die von Hitler beschenkt wird
-- das Reich wächst, alles wird besser, die Wirkung auf die Kleinbürger ist enorm
-- die Bevölkerung ist im Zustand des Glaubens, der Begeisterung, des Berauschtseins
-- das Privatleben ist meist sehr leise, kein Jubel, sondern stille Treue mit dem Gefühl des Aufstiegs (S.156)

-- die Verfolgung von Minderheiten wird verdrängt und heruntergespielt, denn für die grosse Mehrheit gibt es kleine bis grosse Vorteile und Hoffnungen (S.156-157)
-- Hitler bringt also eine triumphale Euphorie und gleichzeitig ein schlechtes Gewissen (S.157).

25.3.1939
HJ-Gesetz: Die HJ wird Pflicht für alle Kinder
-- wird somit eine "vormilitärische Erziehung"
-- die HJ gewinnt öffentlich-rechtliche Erziehungsgewalt über die Jugendlichen
-- Besoldung der hauptamtlichen Führer der HJ durch die NSDAP (S.345).

ab April 1939
Expansion der Deutschen Bank, Dresdner Bank und Commerzbank in Tschechien
-- mit Beteiligungen und Unterbeteiligungen
-- enge Tuchfühlung mit der SS, Dresdner Bank mit Beinamen "SS-Bank" (S.243)

[nicht erwähnt:
Von April bis August 1939 pokern die Grossmächte um Polen, das einem Russlandfeldzug im Weg steht. Polens Regierung pokert mit, statt eindeutig Stellung zu beziehen. Am Schluss steht Polen ohne Bündnis da...].

1.5.1939
Freiheit nach Definition Hitlers:
"Soweit das Interesse der Volksgemeinschaft dem einzelnen Freiheit gibt, ist sie ihm gegeben. Dort, wo seine Freiheit die Interessen der Volksgemeinschaft beeinträchtigt, hört die Freiheit des einzelnen auf. Dann tritt die Freiheit des Volkes an die Stelle der Freiheit des einzelnen."

[und Hitler bestimmt die Orientierung der "Volksgemeinschaft"].

Mai 1939
Ungarische Arbeiterpartei "Pfeilkreuzler" hat Wahlerfolge in Industrie-Vorstädten Budapests
(S.280)

15.6.1939
Neues Gesetz über die Reichsbank: Aufheben der Begrenzung der Kreditversorgung
durch die Reichsbank (S.214).

30.6.1939
Luzern: Versteigerung deutscher "entarteter Kunst"
Luzern bietet den Schauplatz für eine internationale Versteigerung moderner Gemälde zu z.T. völlig lächerlichen Preisen. Der unverwertbare "Rest" wird ins 3.Reich nach Berlin zurückgebracht (S.191).

27.8.1939
Hitler-Ansprache vor dem Reichstag: Einleitung des Krieges
-- Tagebucheintrag des Chefs des Heeres-Generalstabs Franz Halder (1882-1972): "Applaus befehlsgemäss, aber dünn"
-- ein amtliches Kommuniqué berichtet fälschlicherweise von "stürmischer Ovation" (S.472).

28.8.1939
Ausgabe erster Lebensmittelkarten
-- Rationierung aller Grundnahrungsmittel, volle Lebensmittelrationierung erst 1942/1943 (S.434)
-- die Rationierungen berücksichtigen die Altersklassen und Arbeitsleistungen
-- Bevorrechtigungen: Soldaten, Schwer- und Schwerstarbeiter, werdende Mütter und Kleinkinder
-- am schlechtesten werden versorgt: Mütter mit kleinen Kindern (S.434).
-- die Rationierungen gelten als erstrangiges Politikum (S.434).





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-- Brandenburger Tor 1945: http://www.politik-fuer-die-freiheit.de/webcom/show_page.php/_c-8/_nr-1/_lkm-24/i.html

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